Individualisten gehen gerne eigene Wege
Eigentlich ist es ähnlich wie bei Menschen: Die verbringen auch Zeit miteinander – aber eben nicht alle. Es gibt auch Menschen, die gerne allein durchs Leben spazieren, vom Häuschen in Alleinlage träumen und schließlich glückliche Einsiedler werden. Nur selten verlassen sie ihre geliebte Einsamkeit und treffen dann auf andere Menschen, die insgeheim den Kopf schütteln über seinen Lebensstil. Am Ende eines Zusammentreffens ist dann die Frage, wer über das Ende der Begegnung erfreuter ist: Der Einzelgänger oder der Mensch, auf den er getroffen ist.
Auch bei Katzen gibt es Einzelgänger
Bei Katzen ist das ähnlich: Man weiß, dass sich Katzen gerne versammeln und die Nacht gemeinsam genießen. In einer Katzen-WG kann auch friedliches Zusammenleben herrschen. Aber mit dem Frieden ist es in dem Moment vorbei, wenn versehentlich ein Einzelgänger ins Haus geholt wird. Er eckt bei allen an, es gibt dauernd Zoff und es fliegen die Pfoten. Ruhe kehrt erst wieder ein, wenn der Solist seiner Wege gehen darf. Dann atmen Mensch, Katzen und auch der Individualist erleichtert auf.
Die Jagd ist etwas für Solisten
Du wirst nun vielleicht sagen, dass es viele Einzelgänger bei den Katzen gibt. Schließlich sieht man sie allein vor dem Mauseloch sitzen und warten. Das aber hat mit Einzelgängertum nichts zu tun. Gejagt wird stets allein und das ist auch nachvollziehbar: Es ist schon ein Kunststück, wenn sich ein einziger Jäger lautlos anschleicht und warum sollte man vor dem Mauseloch zu zweit sitzen, wenn darin nur eine Maus wohnt. Dafür gibt es nun wirklich keinen vernünftigen Grund, zumal man sich zu zweit auch noch die kleine Beute teilen müsste. Wer will das schon…
Ins eigene Revier darf nicht jeder
Etepetete ist man auch beim eigenen Revier. Immerhin dürfen da gute Freunde rein, aber jeder ist nicht willkommen. Da gibt es dann heftige Revierkämpfe, bei denen mit Krallen und Zähnen das eigene Heim verteidigt wird. Dennoch gibt es gastfreundliche Revierinhaber, unproblematische Versammlungsorte und neutrale Plätze, an denen sich Samtpfoten treffen, sich gegenseitig putzen und miteinander kommunizieren.
Die Chemie muss passen
Was bedeutet das alles nun, wenn Du Deiner Katze einen Artgenossen spendieren willst oder ein Neuzugang die bestehende Gruppe vergrößern soll? Auch da ist es ähnlich wie beim Menschen: Man kann nicht einfach einen anderen vor die Nase gesetzt bekommen und den dann automatisch ins Herz schließen. Die Chemie muss passen. Dann klappt es auch mit der Freundschaft. Gute Vorzeichen sind es, wenn sich die Vierbeiner vom Naturell her ähneln. Hast Du eine sanfte Katze, sollte auch die Zweitkatze sanft und freundlich sein. Mit einem Draufgänger, der es krachen lässt, wäre die sanfte Katze wohl nicht so glücklich. Temperamentvollen Stubentigern schadet es aber nichts, wenn es einen Ruhepol in der Katzengemeinschaft gibt. Nur darf dieser Ruhepol durchaus selbstbewusst sein und sollte sich nicht gleich unterbuttern lassen. Man kann auch in aller Ruhe das Regiment führen.

Auch das Geschlecht spielt eine Rolle
Oft entscheidet auch das Geschlecht, ob das Zusammenleben funktioniert. Mädels unter sich verstehen sich meistens gut. Kommt ein Kater hinzu, der hin und wieder auch auf Brautschau ist, dann kann es zu Reibereien kommen. Sind gar zwei Kater in einer Gruppe, dann können sie auch zu Rivalen werden und Kämpfe austragen. Kastrierte Kater hingegen machen weniger Probleme und markieren meist auch nicht so stark.
Die Hierarchie muss neu bestimmt werden
Übrigens: Zieht ein neues Tier ein, bleibt ein Kampf meist nicht aus. Wer hat die älteren Rechte, wer hat das Sagen, wer ist stärker? Das muss erst mal herausgefunden werden. Das ist aber noch kein Alarmsignal, auch wenn es nicht zimperlich zugeht. Die Hierarchien müssen eben neu aufgeteilt werden, wenn ein neuer Bewohner eingezogen ist. Du solltest Dich dabei nicht zu früh einmischen, denn wenn Du diesen Kampf unterbrichst, geht es später wieder drunter und drüber. Wird die Hierarchie jedoch festgelegt, herrscht für lange Zeit wieder Ruhe.
Einzug auf Probe
Wenn Du Dir eine Zweitkatze oder ein neues Gruppenmitglied in die Wohnung holst, dann sollte der Kandidat erst mal auf Probe einziehen. Ein verlängertes Wochenende sagt schon viel aus, ob das Zusammenleben klappen könnte. Überfordere die Tiere auch nicht. Lass Dir die neue Katze am besten ins Haus bringen, denn dann sieht es nicht so aus, als ob Du den Neuzugang angeschleppt hast. Die ersten Stunden sollten getrennt ablaufen: Man darf sich sehen, hören und riechen, aber nicht anfassen. Erst wenn sich die Aufregung gelegt hat, kommt die Stunde der Zusammenführung – und zwar unter Aufsicht von Dir. Klappt auch das, dann stehen die Chancen gut, dass das Pärchen oder die Truppe harmoniert.
Freundschaften brauchen Zeit
Harmonie unter Katzen bedeutet übrigens nicht zwangsläufig, dass man ständig die Köpfe zusammen steckt, überall gemeinsam hingeht oder dauernd miteinander kuschelt. Auch lockere Freundschaften sind etwas Schönes – und außerdem brauchen Freundschaften Zeit, um zu wachsen und sich zu festigen.



