HomeHundeSolltest Du Dir einen Zweithund holen? So klappt die Mehrhundehaltung

Solltest Du Dir einen Zweithund holen? So klappt die Mehrhundehaltung

Zwei Hunde bedeuten doppeltes Glück – oder doppelte Herausforderung? Wer seinem Vierbeiner einen tierischen Freund an die Seite stellen möchte, sollte einige wichtige Aspekte bedenken. Von der richtigen Auswahl über Erziehung bis hin zur Gruppendynamik – Erfahre, worauf es wirklich ankommt, damit das neue Rudelleben harmonisch gelingt.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Die Haltung eines Zweithundes erfordert eine sorgfältige Vorbereitung, da sie nicht nur doppelte Freude, sondern auch doppelte Kosten, erhöhten Erziehungsaufwand und ausreichend Platz sowie Zeit für beide Tiere bedeutet.
  • Es ist wichtig, dass der Ersthund bereits gut erzogen ist und niemals zwei gleichaltrige Wurfgeschwister zusammen aufgenommen werden, da dies zu einer problematischen Bindung führen kann.
  • Hunde sollten individuell behandelt werden, die Erziehung bleibt Menschensache, und die Eingewöhnung eines Zweithundes sollte mit Bedacht und Geduld erfolgen, um eine harmonische Gruppendynamik zu gewährleisten.

Was ist besser als ein Hund? Zwei Hunde! Mehrhundehalter wissen das. Vorausgesetzt, sie haben Glück – oder einiges beachtet. Das fängt beim Ersthund an und reicht über die Auswahl bis zur Erziehung.

Wer mit einem Hund glücklich ist, fragt sich vielleicht irgendwann: Wäre es nicht schön, wenn der Vierbeiner einen Freund zum Spielen und Kuscheln hätte? Könnte man die Tiere dann vielleicht sogar mit gutem Gewissen auch mal alleine zu Hause lassen?

Auf den ersten Blick mögen die positiven Aspekte überwiegen. Auch der Mehraufwand scheint sich in Grenzen zu halten. Und trotzdem gibt es vorher einiges zu bedenken. Eine Übersicht.

Doppelte Kosten – mehr Erziehungsaufwand

Ein entscheidender Punkt: Zwei Hunde bedeuten nicht nur doppelte Freude, sondern auch doppelte Kosten – etwa für Futter, Tierarzt, Steuern und Versicherungen.

Zudem kommt es auf die Umgebung an. „Man sollte natürlich auch ausreichend Räumlichkeiten und genug Möglichkeiten haben, sich mit den Tieren zu beschäftigen“, sagt Rolf Franck, Verhaltensberater, Trainer und mit seiner Frau Madeleine Betreiber der Hundeschule „Blauerhund“ in der Nähe von Cuxhaven. Denn: „Je mehr Hunde man hat, umso besser muss man sie erziehen.“

Da kommt der nächste Aspekt ins Spiel: Das Timing muss stimmen. Denn der erste Hund sollte auf jeden Fall schon „aus dem Gröbsten raus“ sein, wenn ein zweites Tier einzieht. So sollte man mit dem Ersthund etwa entspannt und ohne Probleme spazieren gehen können. „Sonst wird es mit dem Zweiten schwer“, sagt Rolf Franck.

Kommt für Dich (aktuell) kein Zweithund in Frage, kannst Du für Deinen Ersthund Spielverabredungen mit ausgewählten Hundefreunden organisieren, mit denen er sich gut versteht. Außerdem solltest Du auf eine gute Auslastung achten und Eure gemeinsame Bindung stärken.

Niemals zwei gleichaltrige Wurfgeschwister aufnehmen

Wenn Du zwei Hunde haben willst, solltest Du eines auf jeden Fall beherzigen: Niemals zwei gleichaltrige Wurfgeschwister auf einmal nehmen. „Daran habe ich schon Profis scheitern sehen“, sagt Franck. Mit seiner Frau Madeleine hat er das Buch „Darf’s einer mehr sein?“ geschrieben.

Franck weiß: Vor allem, wenn man zwei Welpen gemeinsam aufzieht, lässt es sich nicht vermeiden, dass die beiden eine symbiotische Beziehung zueinander aufbauen und unterschiedliche Rollen spielen. „Der Eine ist ein bisschen zurückhaltend, der Andere geht sehr aus sich heraus – und beides verursacht Probleme“, warnt der Experte. Im Extremfall kann es sogar so sein, dass die Menschen absolut zweitrangig werden. „Denn die beiden haben ja sich.“

Zwar kann ein Zweithund einen Ersthund mit Trennungsangst Halt geben. Dr. Vanessa Spano, leitende Tierärztin beim „ASPCA Adoption Center in New York City“, rät davon im Gespräch mit „Kinship“ allerdings eher ab: „Da es eher ein pathologisches Hype-Bindungsproblem ist, das Trennungsangst verursacht, ist es im Gründe egal, wie viele potenziellen Freunde Du in die Nähe Deines Hundes bringst, er oder sie wird wahrscheinlich weiterhin auf Dich fixiert bleiben.“ Auch hier solltest Du Dir lieber Hilfe von Experten suchen.

Die Hundeerziehung ist Menschensache

Die Idee, dass zwei Hunde sich gegenseitig erziehen, kann nach hinten losgehen. „Das funktioniert auf gar keinen Fall“, warnt die Hundetrainerin Petra Führmann. Sie ist Betreiberin des Hundezentrums Aschaffenburg und Autorin („Zwei Hunde – doppelte Freude“).

„Aus Problemchen werden dann Probleme, die sich potenzieren.“ Ihr Rat: „Wenn es vorher schon Baustellen gab, sollte man die tunlichst vorher aufräumen – denn in der Regel wird es danach noch deutlich schlechter.“ Der Grund: „Zum einen sind zwei Hunde abgelenkter.“ Zum anderen hätten die Hundefreunde natürlich noch mehr Spaß beim Blödsinn machen, so die Hundetrainerin.

Zweithund: nicht orakeln – Rat vom Experten holen

Wenn das passt, stellen sich für Halterinnen und Halter weitere Fragen: Soll es dieselbe Rasse noch mal sein oder vielleicht eine andere Gewichtsklasse? Wie alt soll der neue Mitbewohner sein?

Rolf Franck rät zwar dazu, sich stark an den eigenen Wünschen zu orientieren. Dennoch gibt es auch hier Konstellationen, die Hunden und Haltern das Leben schwer machen können. Ein Beispiel: „Bei einer Deutschen Dogge und einem Chihuahua gibt es schon praktische Risiken.“ Das müsse aber nicht heißen, dass es nicht klappen kann.

Petra Führmann hat selbst vier Hunde – darunter einen Altdeutschen Schäferhund und eben auch einen Chihuahua. Sie empfiehlt, vor dem Kauf eines zweiten Hundes den Rat eines Experten in Anspruch zu nehmen, der einen objektiven Blick auf den Althund wirft.

Denn es sei durchaus möglich, dass ein Tier besser „Einzelprinz oder -Prinzessin“ bleibt. Sich dabei nur an Charakteristika einzelner Rassen zu orientieren, hält sie nicht für zielführend. Denn so wie bei Menschen gilt auch für Hunde: „Jeder Jeck ist anders!“

Zwei Hunde rennen auf Feldweg
Foto: unsplash.com/ Kojirou Sasaki (Symbolfoto)

Hunde nicht gleich behandeln und eingreifen

Wenn auch diese Hürde genommen ist und Du einen Zweithund gefunden hast, mit dem sich der Erste gut versteht, kann dennoch etwas schiefgehen. „Der größte Fehler ist, sie gleich zu behandeln“, sagt Führmann. Denn die Tiere seien eben nicht gleich und hätten einen unterschiedlichen Status.

Selbst bei unkomplizierten Hunden gibt es Punkte, an denen die Besitzer eingreifen sollten. Etwa wenn der Welpe einen gutmütigen, älteren Hund permanent nerve. „Dann kann ich dem Neuen durchaus sagen: Du lässt ihn jetzt mal in Ruhe!“ Und bei Futter gilt: „Es ist wichtig, dass jeder sein eigenes bekommt. Bei mir gilt: Es wird nichts getauscht – auch kein Kauknochen. Das lasse ich nicht zu“, so Führmann.

Zweithund: Althund darf nicht zu kurz kommen

„Man muss sich darüber bewusst sein, dass jeder Hund bestimmte Bedürfnisse hat“, sagt Rolf Franck. Diese könnten sehr unterschiedlich sein, auch wenn die Tiere derselben Rasse angehören.

Auch das Alter hat einen Einfluss darauf. Wenn Du etwa einen Welpen als Zweithund wählst, musst Du gerade im ersten Lebensjahr viel Einzelzeit in ihn investieren. Denn der Hund muss sich unabhängig vom großen Bruder oder der großen Schwester entwickeln, damit es nicht zu größeren Problemen kommt, wenn das Tier mal alleine ist. Du müsstest darauf hinarbeiten, dass der Welpe eine enge Beziehung zum Menschen aufbaut und dieser zum liebsten Spielpartner wird.

Alter Golden Retriever wird gestreichelt
Foto: pexels.com/Jean Alves (Symbolfoto)

Und genau hier müssen Halter einen Balanceakt hinlegen. Denn auch der alte Hund darf nicht zu kurz kommen. „Er muss noch zu seinem Recht kommen und auch seine Ruhe haben können“, sagt Franck. „Wenn Tiere genervt sind oder sich bedrängt fühlen, zeigen sie das nicht immer durch Wehrhaftigkeit, sondern können durchaus auch depressiv reagieren“, so der Hundeprofi.

Bei all den Überlegungen gibt es für Petra Führmann auch ein K.-o.-Kriterium: „Einem sehr alten Hund würde ich einen temperamentvollen Jungspund nicht mehr zumuten. Klar könnte er durchaus auch noch einmal ein bisschen gepusht werden, aber wenn es ihm schlecht geht oder er Schmerzen hat, wäre das nicht mehr fair.“

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