Für die Polizei sind ihre Hunde weit mehr als nur Kollegen: Sie sind loyale Partner im Einsatz und treue Familienmitglieder fürs Leben. Einmal pro Woche trifft sich die Polizeihundestaffel Hannover auf dem Trainingsgelände in Misburg, um gemeinsam zu trainieren. Deine Tierwelt durfte die Beamten und ihre vierbeinigen Kollegen einen Tag lang begleiten – und einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit werfen.
Welche Herausforderungen die Hunde in ihrer Ausbildung und im späteren Dienst meistern müssen und warum sie trotzdem mit Freude dabei sind, erfährst Du hier.
Was Mensch und Hund mitbringen müssen
Svenja Jordan weiß genau, was es bedeutet, mit einem Polizeihund zu arbeiten. Seit April 2021 ist sie Teil der Polizeihundestaffel Hannover. Wie die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen begann sie zunächst im klassischen Streifendienst. Denn bevor man zur Diensthundestaffel wechseln kann, ist ein abgeschlossenes Polizeistudium Pflicht. Anschließend steht es den Beamten offen, sich je nach Interesse auf bestimmte Fachbereiche zu spezialisieren.
„Wer Mitglied der Diensthundestaffel werden möchte, sollte auf jeden Fall ein Herz für Tiere haben und gerne mit ihnen arbeiten wollen“, erklärt Jordan. Sie selbst arbeitet gemeinsam mit ihrem Hund Billy, einem dreieinhalb Jahre alten Deutschen-Schäferhund-Mix, der bereits mit sechs Monaten zur Staffel kam.
Früher war es üblich, dass Polizeihunde von unterschiedlichsten Orten oder Züchtern stammten – Hauptsache, Rasse und Charakter passten zu den Anforderungen. Heute setzt die Polizei vermehrt auf Welpen, die gezielt bei vertrauenswürdigen Züchtern gekauft werden. Dies ermöglicht es, die Hunde von klein auf optimal auf ihren späteren Job vorzubereiten.
Beliebte Rassen für die Polizeiarbeit sind Deutsche, Belgische und Holländische Schäferhunde oder Mischungen aus diesen. Aber auch Labradore finden gelegentlich ihren Platz in der Staffel – besonders dann, wenn es um die Ausbildung zu Spürhunden geht.

Bevor Polizeihunde zu Einsätzen mitgenommen werden, müssen sie eine umfangreiche Prüfung bestehen. Diese hängt nicht vom Alter des Hundes ab, sondern von seinem individuellen Trainingsstand. Um sicherzustellen, dass die Vierbeiner immer einsatzbereit sind, werden sie jedes Jahr erneut geprüft – sowohl auf ihre körperliche Fitness als auch auf ihre geistige Leistungsfähigkeit.
Gestaltung der Trainingseinheiten
Wenn neue Welpen für die Polizeiarbeit ausgewählt werden, stehen nicht Aggressivität oder Härte im Fokus. Stattdessen wird den Hunden in der Ausbildung beigebracht, dass fremde Personen potenzielle Täter sein könnten. Ein zentraler Bestandteil des Trainings ist es, den Hunden zu vermitteln, sich ausschließlich an ihrem Hundeführer zu orientieren.
Sie lernen, nicht zu Fremden hinzulaufen, sich nicht streicheln zu lassen und auf ihren menschlichen Partner zu vertrauen. Diese Verhaltensweisen werden in wöchentlichen Trainingseinheiten durch sogenannte Unterordnungsübungen trainiert, bei denen Gehorsam und Konzentration im Vordergrund stehen.
Zu Beginn der Ausbildung wird jeder Hund zum Schutzhund ausgebildet. Diese Grundausbildung umfasst Verteidigung, Gehorsam und die Fähigkeit, in Stresssituationen ruhig und kontrolliert zu reagieren.
Das können die Diensthunde alles aufspüren
Nach bestandener Prüfung können die Hunde in einem der vielen Spezialgebiete weitergebildet werden. Die Aufgaben der Diensthunde sind vielfältig: Sie spüren Straftäter auf, suchen nach Vermissten, Beweismitteln, Drogen, Sprengstoff, Leichen oder Brandbeschleunigern. Eine der neuesten Spezialisierungen ist die Ausbildung von Hunden, die Datenträger wie USB-Sticks oder SD-Karten aufspüren können – eine wertvolle Hilfe bei der Aufklärung digitaler Verbrechen.
So wird aus einem Welpen Schritt für Schritt ein unverzichtbarer Partner für die Polizei – stets zuverlässig und mit beeindruckenden Fähigkeiten.

Training, Teamarbeit und Streifendienst: Der Alltag der Polizeihunde
Die etwa 25 Hunde der Polizeihundestaffel trainieren stets mit ihren festen Partnern – ihren Hundeführerinnen und Hundeführern, die sie später auch im Dienst begleiten. Das Training umfasst viele Aspekte: Neben Gehorsamsübungen und dem Tragen eines Maulkorbs wird besonders das Arbeiten unter Ablenkung geübt.
Eine wichtige Aufgabe ist das sogenannte „Stellen“ von Verdächtigen. Dabei lernen die Hunde, eine oder einen Verdächtigen, einen Täter oder eine Täterin durch lautes Bellen zu fixieren, bis ihr menschlicher Partner ein neues Kommando gibt.
Allein die Anwesenheit eines Diensthundes führe in vielen Situationen, wie zum Beispiel einem Platzverweis, zu einer Deeskalation, sodass den Aufforderungen der Polizei nachgekommen werde, erklärt Christian Gress von der Diensthundführerzug-Staffel.
Zunächst könne der Diensthund die Person verbellen, um den Platzverweis durchzusetzen. Sollte sich die Situation allerdings weiter verschärfen und die Polizeibeamten und Hundeführer würden zum Beispiel angegriffen werden, könne der Diensthund durchaus zum Beißen eingesetzt werden.
Damit die Hunde motiviert bleiben, wird das Training spielerisch gestaltet. Die Belohnung richtet sich dabei nach den individuellen Vorlieben der Tiere: Manche Hunde lieben Leckerlis, andere bevorzugen Spielzeug oder eine ausgiebige Streicheleinheit.
Mit dem Polizeihund auf Streife
Hundeführerinnen und Hundeführer sind nicht ausschließlich in der Hundestaffel tätig – sie bleiben reguläre Polizeibeamte, die mit ihrem tierischen Partner auf Streife gehen. Der Hund begleitet sie dabei in den speziell ausgestatteten Einsatzfahrzeugen. Das bedeutet, dass ein Diensthund auch bei Routineeinsätzen, wie einer allgemeinen Verkehrskontrolle, anwesend sein kann.
Doch seine besonderen Fähigkeiten kommen vor allem in brenzligen oder spezialisierten Einsätzen zum Einsatz – immer dann, wenn die tierische Spürnase oder die Schutzfunktion des Hundes gefragt sind.

Polizeihunde übernehmen eine Vielzahl von Aufgaben, um ihre menschlichen Kollegen zu unterstützen. Sie sichern Einsätze bei häuslicher Gewalt ab, helfen bei der Durchsetzung von Platzverweisen oder leisten wichtige Unterstützung bei Demonstrationen. Dabei haben sie oft eine abschreckende Wirkung, wie Gress erklärt: „Wenn wir pöbelnde Fußballfans trennen müssen, legen die sich häufig mit uns an. Schicke ich jedoch den Hund vor, überlegen sie es sich in der Regel sehr schnell anders.“
Diensthund und Familienmitglied: Ein Leben im Team
Nach Dienstschluss endet die enge Bindung zwischen Polizist und Hund keineswegs. Diensthunde leben mit ihrem menschlichen Partner als vollständiges Familienmitglied zusammen. Sie sind auch außerhalb des Dienstes immer mit dabei – ob zu Hause, bei Freizeitaktivitäten oder im Urlaub.
Der Zeitpunkt, wann ein Polizeihund in den Ruhestand geht, hängt ganz von seiner Gesundheit ab. Hunde, die körperlich nicht mehr fit genug für Einsätze sind, legen ihre Tätigkeit als Schutzhund ab und arbeiten nur noch innerhalb ihres Spezialgebiets. Auch im Ruhestand bleibt der Hund bei seinem bisherigen Halter und genießt dort seinen wohlverdienten Lebensabend.



