Was ist der Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter aus der Unterfamilie der Prozessionsspinner. Namensgebend ist das Verhalten seiner Raupen: Sie bewegen sich in langen, prozessionsartigen Zügen entlang von Baumstämmen und Ästen, immer auf der Suche nach Eichenblättern.
Steckbrief:
- Wissenschaftlicher Name: Thaumetopoea processionea
- Familie: Nachtfalter (Notodontidae)
- Aktive Raupenphase: April bis Juli (kritisches drittes Larvenstadium: ab Anfang Mai)
- Lebensraum: Eichenwälder, Parks, Alleen, Gärten mit Eichen
- Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa; zunehmend auch Nordwesteuropa und Nordostdeutschland
- Nester: Kuppel- oder tropfenförmig, zunächst seidig-weiß, später bräunlich, an Stämmen oder Astgabeln
Der erwachsene Falter ist harmlos. Die Gefahr geht ausschließlich von den Raupen aus, genauer: von deren Brennhaaren.
Das steckt hinter der Gefahr: Thaumetopoein und Brennhaare
Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln die Raupen bis zu 700.000 feine Brennhaare pro Tier. Diese Haare sind mikroskopisch klein, mit Widerhaken versehen und enthalten das Eiweißgift Thaumetopoein – ein starkes Kontakttoxin, das bei Berührung abgesondert wird.
Das macht sie besonders tückisch:
- Aktiver Abwurfmechanismus: Bei Gefahr schleudern die Raupen die Haare gezielt ab. Auch Wind verteilt sie über weite Strecken.
- Langlebige Gefahr: Die Brennhaare bleiben auch nach dem Tod der Raupe und nach Verlassen der Nester über mehrere Jahre giftig.
- Unsichtbarkeit: Die Haare sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen.
- Ganzjährige Belastung: Alte Nester am Boden oder an Bäumen stellen auch außerhalb der Hauptsaison ein Risiko dar.

Warum Hunde besonders gefährdet sind
Im Vergleich zu Menschen sind Hunde durch ihr Fell zwar an weiten Körperteilen geschützt – doch genau das kann trügerisch sein. Der Kopfbereich ist ungeschützt und der häufigste Kontaktpunkt:
- Hunde schnüffeln instinktiv an allem wie Nestern am Boden, heruntergefallene Raupen, befallene Rinde
- Die Nase und Schnauze kommen direkt mit Brennhaaren in Kontakt
- Beim Fellpflegen lecken Hunde Haare auf, die sich ins Fell gesetzt haben
Symptome: So erkennst Du einen Kontakt
Die Reaktion auf Thaumetopoein erfolgt schnell. Die Schwere der Symptome hängt von der Menge der aufgenommenen Brennhaare und dem Kontaktweg (Haut, Schleimhaut, Atemwege, Verschlucken) ab.
Achte bei Deinem Hund auf folgende Symptome:
- Starker Juckreiz, Schütteln des Kopfes
- Rötungen und Schwellungen im Maul-, Zungen- und Nasenbereich
- Speichelfluss, Würgen, Erbrechen
- Gereizte oder geschwollene Bindehäute
- Hautausschlag und Quaddeln
Erste Hilfe: Was tun bei Kontakt?
Sofort handeln – keine Zeit verlieren. Folgende Schritte in dieser Reihenfolge:
- Hund sofort aus dem Bereich entfernen – weiteren Kontakt mit Haaren verhindern
- Maul, Nase und Augen mit lauwarmem Wasser oder Kochsalzlösung spülen – Hitze inaktiviert das Toxin teilweise
- Fell mit warmem Wasser auswaschen – Handschuhe, dabei Mund- und Augenschutz tragen
- Nicht reiben – Brennhaare dringen sonst tiefer in Haut und Schleimhaut ein
- Sofort den Tierarzt aufsuchen – auch wenn die Symptome zunächst mild wirken

So schützt Du Deinen Hund
Gefährdete Gebiete kennen und meiden
- Informiere Dich über die aktuelle Verbreitung des Eichenprozessionsspinners in Deiner Region
- Meide Eichenbestände von Mai bis Juli, besonders bei warmem, trockenem Wetter
- Achte auf Warnschilder und Absperrungen in Parkanlagen und Waldgebieten, diese kennzeichnen befallene Zonen
Beim Spaziergang
- Hund anleinen in der Nähe von Eichenbäumen
- Hund vom Beschnüffeln und Ablecken von Baumstämmen und Rinde abhalten
- Auf dem Boden liegende weiße oder bräunliche Gespinste weiträumig umgehen
- Kein Kontakt mit heruntergefallenen Raupen oder Nesterresten
Fazit: Unterschätzte Gefahr mit ernsten Konsequenzen
Der Eichenprozessionsspinner ist kein harmloses Naturphänomen. Seine Brennhaare können bei Hunden innerhalb kurzer Zeit schwere Schleimhautreaktionen, Atemprobleme und in Extremfällen lebensbedrohliche Zustände auslösen. Die Kombination aus unsichtbarer Gefahr, instinktivem Schnüffelverhalten der Hunde und der Langlebigkeit der Brennhaare macht ihn zu einem der gefährlichsten saisonalen Risiken beim Spaziergang.



