- „Head Pressing“, also das wiederholte oder andauernde Drücken des Kopfes gegen Wände oder Gegenstände, ist ein ernstzunehmendes Warnsignal für neurologische oder andere schwere gesundheitliche Probleme bei Tieren.
- Begleitende Symptome wie Orientierungslosigkeit, Krampfanfälle oder plötzliche Aggressivität erfordern sofortige tierärztliche Hilfe, da eine schnelle Diagnose entscheidend für die Behandlung ist.
- Mögliche Ursachen reichen von neurologischen Erkrankungen wie Hirntumoren und Schlaganfällen über Leberprobleme bis hin zu Vergiftungen oder traumatischen Hirnverletzungen.
„Head Pressing“ bezeichnet ein ungewöhnliches Verhalten, bei dem der tierische Mitbewohner seinen Kopf wiederholt und scheinbar grundlos gegen eine Wand, ein Möbelstück oder gegen einen anderen festen Gegenstand drückt. Dieses Verhalten ist nicht normal und deutet auf ein ernsthaftes, gesundheitliches Problem hin. Es handelt sich um eine zwanghafte Handlung, die oft durch neurologische oder andere schwere körperliche Erkrankungen ausgelöst wird.
„Head Pressing“ hat nichts mit einem Wohlfühleffekt, zum Beispiel der Linderung eines Juckreizes durch Kratzen an einer festen Oberfläche, zu tun. Denn im Gegensatz dazu dauert „Head Pressing“ meist langanhaltend an und wiederholt sich. Dazu zeigt das Haustier oft weitere Symptome wie Orientierungslosigkeit, Verwirrung oder sogar Krampfanfälle. Wenn Du dieses Verhalten bei Deinem tierischen Mitbewohner beobachtest, ist es entscheidend, sofort tierärztliche Hilfe aufzusuchen. Denn nur ein Veterinärmediziner kann die Ursache ermitteln und die notwendige Behandlung einleiten.
Typische Symptome für „Head Pressing“
Auch wenn nur der Tierarzt die letztendliche Diagnose stellen kann, können Symptome im Vorfeld auf „Head Pressing“ hinweisen. Beobachtest Du wiederholt die folgende Verhaltensweise bei Deinem Hund oder Deiner Katze, ist es dringend erforderlich, eine Tierklinik aufzusuchen:
- Unsicherer Gang: Dein tierischer Freund hat plötzlich keinen Gleichgewichtssinn mehr und läuft orientierungslos herum. Besonders bei Samtpfoten ist ein unsicherer Gang ein ernst zu nehmendes Anzeichen. Außerdem deuten langsamere Reflexe als üblich und Orientierungsschwierigketen auf Nervenprobleme hin.
- Im Kreis laufen: Auch hinter diesem auf den ersten Blick lustigen Verhalten kann sich ein Warnzeichen verbergen. Beruhigt sich Dein Haustier nicht in wenigen Minuten, ist fachärztliche Hilfe notwendig.
- Druckwunden: Durch das permanente Kopfpressen an harte Gegenstände oder Flächen und das ständige Umherlaufen können Wunden am Kopf und an den Pfoten entstehen, erklärt „Rover“.
- Plötzlich auftretende Sehprobleme: Auch wenn Dein tierischer Freund immer gut sehen konnte, plötzlich aber eingeschränkt ist, solltest Du ihm genau in die Augen schauen. Wenn dort keine Probleme erkennbar sind (Körnchen öder ähnliches – aber auch hier braucht Dein Haustier Hilfe), ist ebenfalls medizinische Hilfe ratsam. Sind die Pupillen erweitert könnte das auch ein Hinweis auf eine Hirnverletzung sein.
- In die Luft beißen: Dieses Verhalten äußern nur Tiere, die unter Atemnot leiden oder ängstlich sind und andere Tiere vertreiben wollen. Kläre also ab, ob sich Dein Vierbeiner wohl fühlt oder vor irgendetwas Angst hat.
- Nach Dir beißen: Beißt Dich Dein tierischer Mitbewohner plötzlich grundlos, ist sofortiges Handeln erforderlich. Denn dann kann es sein, dass er nichts mehr wahrnimmt, nicht mehr weiß, wo er ist und sich daher gegen alles und jeden verteidigt.
- Krampfanfälle: Gründe dafür gibt es viele und alle deuten auf ein schwerwiegendes Problem hin. Verliere also keine Zeit und hole schnell tierärztliche Hilfe.
- Zwanghaftes Strampeln: Hunde und Katzen strampeln beim Spielen gerne mal mit den Hinterbeinen. Sollte das jedoch abseits des Spielens und zwanghaft passieren, ist das ebenfalls ein Warnzeichen.
- Mehr Lautäußerungen: Bellt oder miaut Dein Tier öfter und lauter als sonst, kann es damit Schmerzen ausdrücken wollen.
Auch bei „Head Pressing“ ist es wie bei allen Krankheiten: Je früher das Problem erkannt wird, desto größer sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.
Mögliche Ursachen für das „Kopf an die Wand drücken“
„Head Pressing“ ist ein alarmierendes Verhalten, das auf eine Reihe von schweren gesundheitlichen Problemen hinweisen kann. Es ist daher wichtig, die möglichen Ursachen zu kennen, um schnell handeln zu können.
Neurologische Störungen sind eine der häufigsten Ursachen für „Head Pressing“, da das Gehirn und das zentrale Nervensystem die meisten Körperfunktionen steuern. Zu den neurologischen Erkrankungen gehören:
- Hirnhautentzündung – verursacht durch Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Parasiten
- Hirntumore – Tumore können Druck auf das Gehirn ausüben
- Hydrozephalus – eine Flüssigkeitsansammlung im Gehirn
- Schlaganfall – eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn
Lebererkrankungen können ebenfalls „Head Pressing“ auslösen. Denn die Leber spielt eine entscheidende Rolle im Stoffwechsel und der Entgiftung des Körpers. Wenn die Leberfunktion gestört ist, kann dies zu einer Ansammlung von Toxinen im Blut führen, die das Gehirn beeinträchtigen.
Vergiftungen sind eine weitere häufige Ursache für „Head Pressing“. Giftige Substanzen wie Pestizide, Schwermetalle oder bestimmte Pflanzen können das zentrale Nervensystem beeinträchtigen und zu schweren neurologischen Symptomen führen.
Traumatische Hirnverletzungen, verursacht durch Unfälle oder Stürze, können ebenfalls „Head Pressing“ auslösen.
Diagnose und Behandlung von „Head Pressing“
Tierärztin Dr. Rhiannon Koehler erklärt bei „PetMD“, dass Tierärzte „Head Pressing“ im Regelfall durch Blut- und Urinuntersuchung diagnostizieren können. Zusätzlich sind Untersuchungen der Netzhaut, Röntgenaufnahmen, CT oder MRT-Scans sowie eine Untersuchung der „Zerebrospinalflüssigkeit“ (Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit) zur weiteren Diagnose möglich.
Die eigentliche Behandlungsmethode hängt dann von der festgestellten Ursache ab:
- Tumore können operativ, mit Strahlen- oder Chemotherapie behandelt werden
- Für bakterielle Ursachen steht Antibiotika zur Verfügung
- Autoimmunerkrankungen behandelt die Medizin mit Steroiden
- Ist jedoch Tollwut der Verursacher, endet „Head Pressing“ meist tödlich
Zur akuten Schmerzlinderung verschreiben Tierärzte dann Schmerzmittel (NSAR, Steroide, Opioide) oder „Antikonvulsiva“ (Medikamente zur Behandlung epileptischer Anfälle). Zur Verabreichung bei akuten Anfällen kann als Notfallmedikament „Diazepam“ zur Beruhigung verschrieben werden.
Fazit: Wenn Hunde und Katzen den „Kopf an die Wand drücken“
„Head Pressing“ ist ein ernstzunehmendes Warnsignal für schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Das sofortige Handeln ist entscheidend, um die Ursache schnell zu identifizieren und zu behandeln. Verspätete Behandlungen können gravierende gesundheitliche Folgen für Deinen tierischen Begleiter haben.
Bei einer frühzeitigen Diagnose bestehen dagegen gute Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung und vollständige Genesung. Das Erkennen des Problems und seiner Ursache verbessert die Lebensqualität Deines vierbeinigen Mitbewohners und lässt ihn in vielen Fällen auch wieder vollständig genesen.
Bitte denke immer daran: „Head Pressing“ ist ein Notfall!
Unsere Ratgeber ersetzen nicht die veterinärmedizinische Beratung bei Deinem Tierarzt. Sie dienen lediglich der Information und sollen einen Überblick über Krankheiten, Verletzungen und deren Behandlung liefern. Wenn Dein Tier Symptome zeigt, die auf Verletzungen, Krankheiten oder Unwohlsein hinweisen, solltest Du unbedingt eine Tierarztpraxis oder eine Tierklinik aufsuchen.




