Mit atemberaubender Geschwindigkeit schnellen Giftschlangen auf ihre Beute zu – meist schneller, als das menschliche Auge folgen kann. Nun haben australische Forschende mithilfe von Highspeed-Kameras dokumentiert, wie unterschiedlich Schlangenarten ihre giftigen Bisse ausführen.
Für die Studie filmte ein internationales Team 36 Schlangenarten beim Zubeißen auf erwärmtes Gel, das tierisches Gewebe imitiert. Dabei wurde deutlich: Jede Schlangen-Familie hat ihre ganz eigene Strategie entwickelt, um Beute zu treffen und ihr Gift optimal zu injizieren.
Viper: Der Blitz unter den Schlangen
Vipern zeigten in den Aufnahmen außerordentliche Schnelligkeit: Im Durschschnitt trafen sie das Ziel innerhalb von etwa 100 Millisekunden, einzelne Arten sogar in knapp mehr als 20 Millisekunden. Die Tiere nutzten zudem eine Nachjustier-Strategie, indem sie ihre klappbaren Fangzähne nach dem ersten Biss nach oben zogen, um die Zähne besser zu platzieren und die Giftabgabe zu optimieren, berichtet „ABC Perth“.
Anatomisch begünstigen die langen, einklappbaren Zähne der Vipern das Eindringen in tiefere Gewebeschichten, was die Verteilung des Giftes unterstützt. In Kombination mit extremer Beschleunigung reagieren viele Säugetiere zu langsam, sodass Vipern durch diese Kombination als besonders effiziente Beutegreifer gelten.
Elapiden und Colubriden: unterschiedliche Taktiken
Elapiden wie die Todesotter erreichten in den Messungen ebenfalls sehr kurze Kontaktzeiten, etwa 30 Millisekunden, und beschleunigten extrem schnell. Mit kürzeren Fangzähnen bewegten sie sich dicht an ihre „Beute“ heran und lieferten häufig mehrere Stiche, um Gift zu platzieren. Fachleute sehen in diesen Daten eine Bestätigung für die hohe Jagdeffizienz dieser Schlangen und fordern weitere vergleichende Studien.
Die untersuchte Mangroven-Cat-Snake als einzige Vertreterin der Colubriden in der Studie zeigte eine andere Biomechanik: Ihr Maul öffnete sich besonders weit, blieb länger geöffnet und schloss sich dann mit kräftigem Zug, wodurch sichelförmige Wunden entstanden. Dieser Zugmechanismus könnte das Eindringen von Gift in Beutetiere begünstigen.
Neue Einblicke in uralte Jagdtechniken
Die Studie belegt eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich Schlangenarten an ihre Jagdumgebung angepasst haben. Viper, Elapid und Colubrid nutzen ihre anatomischen Besonderheiten auf höchst spezialisierte Weise – mit evolutionär perfektionierter Präzision und Effizienz. Für die Wissenschaft bedeutet dies eine Fülle neuer Daten, um das Verhalten und die Anatomie dieser Tiere besser zu verstehen.
Für die Durchführung der Studie reisten australische Forscher nach Paris. In der dortigen Institution „Venomworld“ werden zahlreiche Giftschlangen gezüchtet. Zukünftig sollen ähnliche Experimente auch in Australien durchgeführt werden, wo viele hochgiftige Schlangen leben. Weitere Untersuchungen lassen auf mehr faszinierende Einblicke in die Welt der lautlosen Jäger hoffen.



