Welche Tiere in Deutschland für den Verzehr geschlachtet werden dürfen, regelt die Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung. Zum Thema Hundefleisch steht dort: „Es ist verboten, Fleisch von Hunden, Katzen sowie von Affen zum Zwecke des menschlichen Verzehrs zu gewinnen oder in den Verkehr zu bringen.“
Heißt: Das Schlachten von Hunden und der Verkauf ihres Fleisches ist in Deutschland verboten. Der Verzehr von Hundefleisch ist zwar nicht ausdrücklich verboten – es besteht aber praktisch kein legaler Weg, es zu kaufen.
„Da die Beschaffung von Hundefleisch in Deutschland nicht möglich ist, wird der Verzehr von Hundefleisch nicht explizit verboten“, erklärt der Tierrechtsanwalt Andreas Ackenheil gegenüber DeineTierwelt. Aufgrund der Tatsache, dass es Hundefleisch in Deutschland nicht zu kaufen gebe, lasse sich aber darauf schließen, dass auch der Konsum nicht im Sinne des Gesetzgebers sei.
Hundefleisch war auch in Deutschland Teil der Esskultur
Das war allerdings nicht immer so. Erst 1986 wurde die Schlachtung von Hunden in Deutschland verboten. Dass in Deutschland Hunde im großen Umfang geschlachtet wurden, liegt aber deutlich weiter zurück. „Hundefleisch war vor nicht allzu langer Zeit ein Teil auch unserer Esskultur“, sagt Uwe Spiekermann. Dem Ernährungshistoriker zufolge wurden in den Jahren 1920 bis 1924 circa 115 Tonnen Hundefleisch geschlachtet, in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg waren es 84 Tonnen.

Anders als in Asien, wo Hundefleisch als teure Delikatesse gilt, wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland als Essen für Arme angesehen, die sich „richtiges Fleisch nicht leisten konnten“, so Spiekermann. Auch in Krisen- oder Kriegszeiten scheinen Menschen in Deutschland immer mal wieder Hunde geschlachtet zu haben.
In Sachsen galt Hundefleisch als Delikatesse
Es gab aber auch Regionen in Deutschland, in denen Hundefleisch damals ganz besonders geschätzt wurde – zum Beispiel in Sachsen, Thüringen und Schlesien. So gab es etwa in Chemnitz ein Hundeschlachthaus und einige Wirtschaften, in denen Hundefleisch angeboten wurde. Spiekermann: „Besonders als rohes Tatar galt Hundefleisch als regionale Delikatesse.“
Dass der Verkauf und Import von Hundefleisch in Deutschland mittlerweile verboten und strafbar ist, lässt sich Anwalt Ackenheil zufolge auf die Entwicklung der Moralvorstellungen zurückführen: „Mittlerweile sind Hunde und Katzen nicht mehr Nutztiere, die zur Bewachung des Hofes dienen oder Schädlinge wie Mäuse fangen sollen, sondern sind für viele Menschen ein vollwertiges Familienmitglied.“
Auch den christlichen, islamischen und jüdischen Wertvorstellungen widerspreche der Konsum von Hundefleisch.
In der Schweiz dürfen Haustiere privat geschlachtet werden
Auch in einigen Regionen in der Schweiz wurde lange Hundefleisch gegessen – etwa im Appenzeller- oder Bündnerland. Im Alpenland ist die Gesetzeslage allerdings anders als in Deutschland: Dort dürfen Hunde und Katzen zwar nicht aus kommerziellen Gründen geschlachtet werden, die private Schlachtung von Haustieren zur Lebensmittelproduktion ist aber erlaubt – vorausgesetzt, sie werden ordnungsgemäß geschlachtet.
Bedeutet: Wer seinen eigenen Hund essen möchte, kann das straffrei tun. Allerdings nur für den Eigenbedarf. Gäste zum Hundeessen einzuladen oder das Fleisch weiterzugeben ist dagegen illegal.
„Man kann den Besitzern nicht verbieten, ihre Haustiere zu essen“
„Man kann den Besitzern nicht verbieten, ihre Haustiere zu essen, wenn vorab die Tierschutzverordnung eingehalten wird“, sagte 2014 Eva van Beek, Sprecherin des Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Als Lebensmittel angesehen werde Hunde- oder Katzenfleisch in der Schweiz aber nicht.
Trotzdem hat das Thema das Potenzial, regelmäßig die Gemüter zu erhitzen. Tierschützer und Boulevard-Zeitungen haben in den vergangenen Jahren immer wieder mit reißerischen Berichten über „Schweizer Hunde- oder Katzenfresser“ berichtet. Tatsächlich schätzen Tierschutzorganisationen Medienberichten zufolge aber, dass nur 100 bis 200 Schweizer regelmäßige Hunde- oder Katzenfleisch konsumieren – bei acht Millionen Schweizern eine eher geringe Quote. Tierschützerin Toni Tomek von „S.O.S. Chats“ geht von drei Prozent aus.
Nachdem die Tierschützerin Edith Zellweger gesagt hatte, dass „Hunderte Menschen in den ländlichen Gebieten Hunde und Katzen essen“, begab sich der „SRF“ 2013 auf Spurensuche.
„Bis vor 20 Jahren habe ich täglich Hundefleisch gegessen. Geräuchert war das ein Genuss“, erzählte damals etwa ein Landwirt aus Gams im Kanton Sankt Gallen.

Ein ehemaliger Hundemetzger aus dem Appenzellerland gibt ebenfalls zu, Hunde geschlachtet zu haben. „Ich habe Hunde erschossen, gehäutet, ausgenommen und Suppe daraus gemacht. Die war speziell gut“, sagt er. Er sei aber überzeugt, dass heute kaum noch Hundefleisch gegessen werde.
Immer wieder berichten Boulevard-Medien über Schweizer Hunde-Esser
Auch das Boulevard-Blatt „Blick“ sprach 2008 mit einem Hunde-Esser. „Ich esse mindestens einmal im Jahr geräucherten Hund, früher noch viel häufiger“, erzählte der Bauer Bruno D. aus dem Rheintal. Gegessen würden meist die „die überschüssigen jungen Hunde vom eigenen Hof“, heißt es in dem Artikel. Im Alter von einem Jahr schmeckten sie am besten.
Hunde oder Katzen zu essen, sei in der Schweiz aber alles andere als gängig, schreibt Wissenschaftsjournalist Christoph Rösser in seiner „Zeit“-Kolumne „Stimmt’s?“. „Die Boulevardzeitung ,Blick‘ gruselt ihre Leser alle Jahre wieder mit Geschichten von Bauern, die ihre Hunde zu Gulasch verarbeiten und dabei genüsslich die Rezepte ausbreiten. Doch all das sind Einzelfälle, es handelt sich nicht um ein Schweizer Massenphänomen“, so Rösser.



