HomeHundeDie Zukunft der Hundezucht: Gibt es bald keine Hunderassen mehr?

Die Zukunft der Hundezucht: Gibt es bald keine Hunderassen mehr?

Die Zukunft der Hundezucht muss sich grundlegend ändern. Hundeexperten fordern, dass Gesundheit und Wohlbefinden und nicht das Aussehen das neue Ziel der Hundezucht sein sollen. Ein dringender notwendiger Appell angesichts der aktuellen Zuchtpraktiken.

Nach dem „Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe“ (ZZF) lebten 2024 allein in Deutschland circa 10,5 Millionen Hunde. Und so ist es kein Geheimnis, dass nicht nur hierzulande die hiesige Industrie schon lange „auf den Hund gekommen ist“ und die Fellnasen und ihre Besitzer als lukrative Wirtschaftsfaktoren ansieht. Von daher ist die Hundezucht weltweit eine riesige und niemals stotternde Gelddruckmaschine. Leider mit mittlerweile fatalen Auswirkungen für unsere wuffende Freunde.

Denn überall „produzieren“ Züchter Hunde mit einer offensichtlichen Vielzahl von körperlichen und emotionalen Krankheiten. Ohne Rücksicht und nur zu dem Zweck, menschliche Wünsche oder künstlich durch die Werbung „befeuerte“ Bedürfnisse zu befriedigen. Dass dies nicht die Zukunft der Hundezucht sein kann, sollte jedem Tierfreund klar sein.

In der Fachzeitschrift „Animal Welfare“ wurde Mitte Januar dazu eine wichtige Arbeit mit dem Titel „A new future for dog breeding“ (deutsch: „Eine neue Zukunft für die Hundezucht“) veröffentlicht. Die Hundeexperten Helle Friis Proschowsky, Peter Sandøe und sieben weitere Kollegen geben darin einen Überblick über den aktuellen Stand der Hundezucht. Sie thematisieren dabei sowohl die Produktion von „Designerrassen“ als auch die gesundheitlichen und verhaltensbedingten Probleme vieler Fellnasen. Deine Tierwelt erklärt Dir, was es mit dieser bahnbrechenden Studie auf sich hat.

Wie kam es zu der Studie „Zukunft der Hundezucht“?

Seit Langem taucht in den Medien immer wieder die Diskussion über ungesunde Zucht und gravierende Tierschutzprobleme bei bestimmten Rassehunden auf. Und obwohl in Ländern wie Deutschland und den Niederlanden neue Gesetze dazu in Kraft getreten sind, scheinen die notwendigen und tiefgreifenden Veränderungen noch immer in den Kinderschuhen zu stecken.

Das Forschungszentrum „Centre for Companion Animal Welfare“ der Universität Kopenhagen ermöglicht den Wissenschaftlern die Erforschung der Art und des Ausmaßes der Tierschutzprobleme von Haustieren wie Hunden, Katzen, Pferden und Kaninchen. Das Forschungsteam hat erkannt, dass viele der Probleme, die es bei Hunden gibt, eine Folge ihrer Zucht und damit genetisch bedingt sind.

Hinweis in eigener Sache: Das DeineTierwelt-Magazin ist ein Angebot des Unternehmens DeineTierwelt, das selbst eine Online-Plattform zur Vermittlung von Haustieren betreibt. Die Redaktion arbeitet unabhängig davon nach rein journalistischen Standards. Qualzuchten wie die Scottish Fold oder der Mops sind im Tiermarkt verboten und dürfen dort nur von Tierheimen und Tierschutzorganisationen vermittelt werden. Was DeineTierwelt sonst noch für den Tierschutz tut, kannst Du unter anderem hier nachlesen.

Bereits im Juli 2023 hielt Peter Sandøe auf dem „Canine Science Forum“ in Budapest einen Vortrag mit dem Titel: „Werden Hunderassen, wie wir sie heute kennen, bald der Vergangenheit angehören?“ Nach der Konferenz entschied sich das internationale Team von Kollegen, den Inhalt dieses Vortrags in eine wissenschaftliche Arbeit zu überführen und diese mit dem Namen „Zukunft der Hundezucht“ zu versehen.

Drei Möpse stehen nebeneinander auf einem Weg.
Foto: unsplash.com/Sneaky Elbow (Symbolfoto)

Wer soll mit der Studie erreicht werden?

Obwohl den Wissenschaftlern klar ist, dass die Studie in einer akademischen Sprache verfasst ist, wollen sie damit ein möglichst breites Publikum von „Hundemenschen“ erreichen. Denn die Beziehung zwischen Frauchen und Herrchen zu ihrem vierbeinigen Liebling hat einen großen Einfluss auf mögliche Lösungen.

Natürlich ist die „organisierte Hundewelt“ der zweitwichtigste Ansprechpartner. Auch wenn die Einflüsse der nationalen Dachverbände der Hundezüchter, wie zum Beispiel dem britischen „Kennel Club“ ständig abnehmen, setzen sie immer noch die Standards dafür, wie die verschiedenen Rassen aussehen sollten.

Sind die Menschen für eine Änderung der Zuchtpraktiken?

Die Wissenschaftler sind hoffnungsvoll, dass die Menschen einer grundsätzlichen Änderung zustimmen würden, wenn sie sich näher mit den aktuellen Zuchtpraktiken auseinandersetzen würden. Allerdings sind sich die Forscher über eine gewisse menschliche „Trägheit“ bewusst. Die notwendigen Änderungen werden nicht „morgen“ umgesetzt werden können. Es braucht Zeit, bis die Menschen ihre Gewohnheiten und Denkweisen ändern.

Aber die Studie soll wachrütteln und das allgemeine Wissen über die Probleme erweitern. Vor allem sollen Entscheidungsträger und Meinungsmacher zum Handeln aufgefordert werden.

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Auch in Zukunft soll die Hundezucht weiterbestehen – aber nicht so

Die moderne Form des Rassehundes steht seit Jahrzehnten unter massiver Kritik. Infolge dieser Entwicklung und weiterer gesellschaftlicher Veränderungen haben sich neue Trends in der Hundezucht und im Handel etabliert. Dazu gehören: Ein geringerer Einfluss traditioneller Zuchtverbände, ein zunehmender Verkauf von Hunden ohne Ahnentafel, strengere gesetzliche Vorgaben zur Hundezucht, die wachsende Beliebtheit von Kreuzungen etablierter Rassen (Designer Dogs) sowie ein zunehmender Hype um die vermeintlichen Vorzüge von Mischlingen.

Die Studie bietet einen Überblick und untersucht, wie Gesundheit, Wohlbefinden und die unterschiedlichen Rollen von Hunden in der heutigen Gesellschaft gefördert werden können.

Die zentrale Botschaft der Studie ist, dass es auch in Zukunft nicht notwendig ist, die organisierte Hundezucht aufzugeben. Vielmehr sollte das Ziel sein, Fellnasen zu züchten, die sowohl gesund sind als auch gut mit ihren künftigen Besitzern harmonieren.

Hundezucht: Mehr Fokus auf Gesundheit gefordert

Doch dafür muss die organisierte Hundewelt (Zuchtverbände, Rassenzuchtvereine) nicht nur ihre Zuchtbücher öffnen. Es müssen auch Standardwortlaute entfernt werden, die extreme Körpermerkmale fördern. Der Fokus auf Hundeausstellungen sollte wieder auf Gesundheit und angemessenes Verhalten liegen.

Die Zukunft der Hundezucht sehen die Wissenschaftler in ihrem Fazit so: „Gesundheit und Wohlbefinden statt Aussehen sollte das neue Ziel in der Hundezucht werden.“ Ein Wunsch, dessen Erfüllung – so ist es zu befürchten – noch auf sich warten lassen wird.

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