Wasser stellt ganz andere Ansprüche an die Sinnesorgane als Luft. So müssen sich natürlich auch die Meeresbewohner den Gegebenheiten anpassen, um sich in der Unterwasserwelt zurecht zu finden. Hier erfahrt Ihr mehr über die Sinne von Fischen und wie sie funktionieren.

Der Sehsinn
Die Mehrzahl der Fische ist von Natur aus kurzsichtig. Das heißt, dass sie nur Objekte scharf sehen können, die etwa einen Meter von ihnen entfernt sind. Die Linsen der Fischaugen sind kugelig und starr. Sie kann also ihre Form nicht verändern und dadurch Objekte in unterschiedlichen Entfernungen nicht fokussieren. Mit Hilfe eines speziellen Muskels können Fische die Linse allerdings weiter ins Auge zurückziehen und so ihr Augenmerk auf weiter entfernte Objekte richten. Da die Sicht unter Wasser generell schlechter ist als an Land, ist dies für Fische allerdings nicht so wichtig. Einige Tiefseefische verfügen übrigens über sehr große Augen, damit sie in der Tiefe so viel Restlicht wie möglich einfangen können.
Der Geruchs- und Geschmackssinn
Der Geruchs- und Geschmackssinn von Fischen kann zu einem Sinn zusammengefasst werden. Die Fische nehmen kleinste chemische Bestandteile wahr. Wanderfische wie beispielsweise der Lachs oder Aal orientieren sich auf ihrer langen Reise mit Hilfe ihres Geruchssinns. Somit ist dieser Sinn bei Fischen um ein Millionenfaches feiner als bei uns Menschen. So können sie kleinste Geruchspartikel im Wasser aufnehmen und die Informationen verwerten. Deswegen können übrigens beispielsweise Haie aus großer Entfernung einen einzigen Tropfen frisches Bluts wahrnehmen. Darauf sind die Raubtiere angewiesen, um in der Weite des Ozeans Nahrung zu finden.

Anders als bei uns und auch anderen Tieren beschränkt sich der Geschmackssinn von Fischen nicht nur auf das Maul. Ein Wels verfügt beispielsweise auf der ganzen Haut über Sinnesknospen.
Außerdem befinden sich in der Nähe der Fischaugen kleine Nasenlöcher. Diese sind mit einer Art Ein- und Auslassventil verschlossen. Hinter diesem Ventil liegt eine Geruchskammer. Diese ist mit einem Teppich aus Zellen bestehend aus mehr als einer Millionen Nervenenden ausgekleidet. Die Informationen, die der Fisch hierüber aufnimmt, werden im Geruchslappen des Gehirns verarbeitet.
Der Hörsinn
Anders als viele Menschen sicherlich denken, verfügen Fische über Ohren. Diese sind nicht sichtbar, denn sie bestehe aus kleinen Röhrchen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und hinter den Augen der Fische liegen. In ihrer Funktion gleichen sie dem Innenohr von Landwirbeltieren. Über die kleinen, in Flüssigkeit schwimmenden Gehörsteinchen aus Kalk nimmt der Fisch Schallwellen auf, da diese Steinchen in Schwingung gebracht werden. Über diese Bewegungen werden Sinneszellen erregt, die die Informationen ans Gehirn übertragen.
Der Tastsinn
Zum Tasten verfügen Fische über verschiedene Organe sowie Barteln und Brustflossenfäden. Um allerdings Schallwellen richtig orten zu können, verfügen Fische über ein weiteres, weitaus sensibleres Organ. Das ist auch nötig, denn Schallwellen breiten sich unter Wasser viermal so schnell aus wie an Land. So hat der Fisch ohne diesen speziellen Sinn Probleme, die Quelle genau zu orten.
Deswegen verfügen Fische über einen Ferntastsinn, dem sogenannten Seitenlinienorgan Darüber können die Tiere sowohl Ströme, als auch Erschütterungen und Töne wahrnehmen und lokalisieren.
Äußerlich ist die Seitenlinie als feiner Längsstreifen auf dem Fischkörper zu erkennen. Unter der Haut verläuft dort eine Röhre, die mit Schleim gefüllt ist. Diese ist über feine Poren mit der Außenwelt verbunden. Wie beim Ohr verfügt diese Röhre über feine Sinneszellen. Diese kommen durch Druckwellen in Bewegung.

Aber wie funktioniert dieses Seitenliniensystem genau? Wenn ein Fisch schwimmt, entsteht vor ihm eine Art Wassersäule. So lange der Weg frei ist, weiß der Fisch, dass ihm kein Hindernis – wie etwa ein Feind – im Weg steht. Ist dies doch der Fall, wird die Druckwelle zurückgeworfen und trifft auf das Seitenlinienorgan auf. Je nachdem, wie stark diese Welle ist und aus welcher Richtung sie kommt, bekommt der Fisch Auskunft über die Größe, Entfernung und Form des Objekts. Die Ortung über dieses Organ erfolgt viel spezifischer als über das Ohr.
Somit können sich Fische auch komplett blind in ihrer Umwelt orientieren, denn das Seitenlinienorgan versorgt sie mit dreidimensionalen Informationen. Deswegen schwimmen sie in Aquarien beispielsweise auch nicht gegen die Scheiben, obwohl diese unsichtbar sind. Das Seitenlinienorgan sorgt übrigens auch dafür, dass Fische im Schwarm nicht zusammenstoßen.
Elektrische Organe
Viele Fische verfügen über weitere Sinne beziehungsweise Organe, die uns Menschen komplett fehlen: Den elektrischen Organen. Diese können – wie der Name bereits verrät – elektrische Spannungen erzeugen und dienen den Tieren zu Orientierung, Kommunikation, Verteidigung oder zum Beutefang. Die stärkeren Entladungen dienen der Verteidigung und Jagd, die schwächeren der Elektroortung und Kommunikation. Die Fische senden ein elektrisches Feld und können dies auch empfangen. Auch über dieses Feld können die Wasserbewohner zum Beispiel Hindernisse erfassen.



