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Der Wolf in Deutschland

An die 150 Jahre war der Wolf in Deutschland durch den Menschen nahezu ausgerottet – er wurde als Feind betrachtet, gezielt gejagt und getötet. Heute stehen Wölfe unter strengem Schutz und seit über 15 Jahren kehren sie nun selbstständig in ihre alte Heimat zurück. Das stößt nicht nur auf Begeisterung, denn viele fürchten sich vor den Tieren. Doch wie begründet ist diese Angst? Laut Wolfexperte Markus Bathen vom Naturschutzbund (NABU) gehört es zu unserer modernen Gesellschaft, dass wir nicht mehr in Zeiten leben, in denen wir Tierarten einfach ausrotten. Außerdem gehört der Wolf schlichtweg zu unserem Ökosystem.

Wolf im Schnee

Wo und wie leben die Wölfe?

2000 gründete sich in Ost-Sachsen das erste Wolfsrudel. Sie sind aus Polen eingewandert. Der NABU geht von rund 40 Wolfsfamilien aus, die in Deutschland leben. Jedes Rudel besteht aus etwa neun Tieren. Diese leben in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen. Auch in Schleswig Holstein und Thüringen wurden bereits einzelne Wölfe gesichtet. In anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Hamburg wurden ebenfalls bereits Wölfe gesehen. Diese wurden allerdings entweder erschossen oder haben sich nicht niedergelassen, sondern sind weitergezogen.

Wölfe sind sehr gut darin, sich anzupassen. Das heißt, sie brauchen zum Überleben keine Wildnis und können in vielen verschiedenen Landschaften leben. Allerdings benötigen sie natürlich ausreichend Beutetiere und Rückzugsmöglichkeiten. Außerdem dürfen die Gegenden nicht zu dicht von Menschen besiedelt sein. In Deutschland gibt es in nahezu jedem Bundesland geeignete Regionen, in denen die Wölfe leben können.

Hauptnahrungsmittel der Wölfe in Deutschland sind Rehe, Rothirsche und Wildschweine. Das kann allerdings je nach Bundesland variieren. Es ist übrigens nicht richtig, dass die Gefahr besteht, dass Wölfe andere Wildtiere ausrotten.

Rund 40 Wolfsrudel sollen mittlerweile wieder in Deutschland leben.

Woran erkenne ich einen Wolf?

Heutzutage werden einige Hunderassen so gezüchtet, dass sie einem Wolf möglichst ähnlich sehen. Dazu zählt beispielsweise der Tschechoslowakische Wolfshund. Einen richtigen Wolf erkennt man an einem hellen Schnauzenbereich, kleine dreieckige Ohren, einem dunklen sogenannten Sattelfleck – also einen Fleck an der Stelle, an der er einen Sattel tragen würde – langen Beinen und einem geraden, herabhängenden Schwanz.

Wie können Nutztiere geschützt werden?

Generell stehen Nutztiere wie Schafe und Ziegen auf dem Speiseplan der Wölfe. Die Tiere müssen mit speziellen Schutzzäunen gesichert werden. Dieser Schutz besteht aus etwa 100 Zentimeter hohen Euronetzzäunen, durch die mindestens 4000 Volt Spannung laufen. Zusätzlich sollte ein Untergrabschutz angebracht werden, denn Wölfe graben sich eher unter Hindernisse hindurch, als sie zu überspringen.

Auch sogenannte Herdenschutzhunde können zum Schutz der Tiere dienen. Anders als Hütehunde ist ihre Aufgabe nicht das Zusammenhalten der Herde, sondern der Schutz. Die Hunde sehen den Wolf als Bedrohung und stellen sich ihnen in den Weg. Die Herdenschutzhunde wachsen als Welpen in der Schaf- oder Ziegenherde auf und sehen diese als ihr Rudel an, das es zu beschütze gilt. Je nach Herdengröße müssen zwei bis drei Hunde eingesetzt werden, die professionell ausgebildet werden.

Herdenschutzhund mit Schafsherde
Speziell ausgebildete Herdenschutzhunde wachsen innerhalb einer Herde auf und sehen diese als ihr Rudel an (c) NABU/K. Karkow

Muss ich als Mensch Angst vor Wölfen haben?

Laut Wolfexperte Markus Bathen haben Wölfe kein großes Interesse an uns Menschen und sehen uns nicht als Beute an. Gesunde Wölfe, die nicht vom Menschen provoziert oder gefüttert werden, stellen in der Regel keine Gefahr dar. Seit es die Wölfe wieder in Deutschland gibt, wurde keine Situation vermerkt, in der sich ein Wolf einem Menschen gegenüber aggressiv verhalten hat. Zwischen 1950 und 2000 wurden einige wenige Fälle dokumentiert, bei denen neun Menschen getötet wurden. Bei fünf dieser Fälle waren die Wölfe allerdings an Tollwut erkrankt. In den anderen Fällen wurden die Wölfe provoziert oder angefüttert. Seit 2008 gilt Deutschland übrigens als Tollwutfrei.

Es ist durchaus möglich, dass Wölfe in der Nähe von Siedlungen gesichtet werden. Vor allem junge Wölfe sind noch sehr neugierig und möchten das Gebiet erkunden. Wölfe legen am Tag bis zu 75 Kilometer zurück und suchen dabei den kürzesten und bequemsten Weg aus – dieser kann sie dann schon mal durch eine Siedlung führen.

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Solltet Ihr einem Wolf begegnen, solltet Ihr ihn ruhig beobachten. Wenn Ihr Euch unwohl fühlt, solltet Ihr Euch groß machen und laut werden – Rufe und Klatschen können den Wolf vertreiben. Zieht Euch langsam und ohne Hektik zurück.

Generell solltet Ihr Abstand von Wildtieren halten. Lauft den Tieren nicht nach und nehmt auf keinen Fall Jungtiere hoch und fasst sie auch nicht an. Auch ein Wildschwein, das seine Frischlinge beschützt, kann beispielsweise extrem gefährlich werden. Außerdem solltet Ihr Wildtiere auf keinen Fall füttern.

In der Regel ziehen sich Wölfe zurück, wenn sie einem Menschen begegnen. Wenn Wölfe allerdings bereits von Menschen angefüttert wurden, können sie sich ihnen gegenüber vertraut zeigen. Auch Jungtiere sind oft wesentlich neugieriger als erwachsene Wölfe.

Jungtiere sind in der Regel neugieriger und unbedarfter als erwachsene Wölfe.

Was muss ich beachten, wenn ich mit Hund im Wolfsgebiet unterwegs bin?

Wenn man mit seinem Hund in einem Wolfsgebiet unterwegs ist, gibt es einige Regeln zu beachten. Wölfe und Hunde sind sich sehr ähnlich und können sich durchaus verstehen. Es ist allerdings auch möglich, dass sich beide Tiere in einem Konkurrenzkampf um das jeweilige Revier sehen oder der Wolf den Hund als potenziellen Paarungspartner ansieht. Das kann natürlich zu einer Auseinandersetzung führen.

Deswegen sollte der Hund stets neben dem Menschen gehalten werden, damit der Wolf auch das Herrchen oder Frauchen wahrnimmt. So soll er nicht auf den Gedanken kommen, sein Revier überhaupt verteidigen zu müssen. Am besten leint Ihr Eure Fellnase in Wolfsgebieten an.

Mann und Hund spazieren im Wald

Projekt „Willkommen Wolf!“

Seit 2005 engagiert sich der NABU für die Wiederkehr des Wolfes unter dem Projektnamen „Willkommen Wolf!“. Sie wollen als Experten über den Wolf informieren, Wissen vermitteln und Ängste und Vorurteile aus dem Weg räumen. Es werden Daten über den Wolf gesammelt, damit mehr Informationen über den Wolf an sich und sein Verhalten dokumentiert werden können. Dabei wird der NABU von über 400 ehrenamtlichen Wolfbotschaftern unterstützt. Wer sich ebenfalls für die Wölfe engagieren möchte, kann Wolfspate werden und den NABU finanziell unterstützen.

 

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