Gibt es einen Unterschied zwischen Biss und Biss? Ja – zumindest bei Katzen: Während aggressive Bisse eher aus Angst, Abwehr oder Territorialverhalten entstehen, können die Miezen auch fast schon liebevoll zubeißen. Im Englischen spricht man dann von „Love Bites“, also von Liebes-Bissen.
Viele Katzenhalter kennen diese Situation bestimmt: Gerade haben sie noch friedlich mit ihrer Samtpfote geschmust, sie vielleicht ausgiebig gestreichelt – und plötzlich nagt sie an den Fingern oder an der Hand. Meistens zwickt das zwar etwas, eine blutende Wunde entsteht dabei aber nicht.
Warum beißt die Katze dann aber zu, wenn man doch gerade so eine gute Zeit zusammen hatte? Die Antwort ist ziemlich simpel: Der Mieze ist Deine Zuwendung wahrscheinlich zu viel geworden.
Die Bezeichnung „Liebes-Biss“ ist dennoch etwas irreführend. Denn auch wenn beim vorherigen Spielen oder Schmusen Zuneigung im Spiel war, ist das Beißen doch ein klares Signal von: Das reicht jetzt.

Es klingt im ersten Moment verrückt aber: Zu viele Streicheleinheiten können tatsächlich unangenehm für Katzen werden. Der Grund dafür ist die sogenannte „streichel-bedingte Überstimulation“. „Die Haarwurzelrezeptoren verkraften nur ein gewisses Maß an Streichelei, bevor es wehtut“, erklärt Jackson Galaxy, Experte für Tierverhalten, gegenüber dem „Sydney Morning Herald“.
Wann die Katze liebevoll beißt – und wann aggressiv
Wie Du aggressive Bisse von diesen eher warnenden unterscheidest? Vor allem am Kontext: „Es beginnt mit Lecken, das immer intensiver wird, bis Du die kleinen Zähne spürst“, erklärt Tierarzt Dr. Wailani Sung gegenüber „PetMD“. Außerdem zeigt die Mieze dabei kein anderes aggressives Verhalten, wie Fauchen, Knurren oder Kratzen. „Normalerweise ist die gesamte Körpersprache der Katze ziemlich entspannt, obwohl sie kurz vor dem Zubeißen etwas angespannt werden kann“, so Tierärztin Dr. Liz Stelow.
So weit muss es allerdings nicht kommen: Oftmals zeigt Deine Katze vorher schon, dass sie sich nicht mehr wohl fühlt. Zum Beispiel indem sie die Augen weitet oder ihre Ohren anlegt. Wenn Du diese Anzeichen bemerkst, lass Deine Mieze einfach in Ruhe – und alles ist gut.
Wichtig ist außerdem, die Katze nicht zu bestrafen. Auch wenn es Deine erste Reaktion sein mag: Du solltest die Mieze nie wegscheuchen, schütteln oder am Nacken packen. Das könnte nur dazu führen, dass Deine Katze dann mit echter Aggression reagiert – und es gefährlich wird.

Dr. Karen Becker zufolge gibt es übrigens noch eine weitere Art von „Liebes-Bissen“: Das verspielte Zubeißen. Manchen Kitten spielen einfach sehr wild und ausgelassen. Dazu gehört etwa auch, dass sie ihre Geschwister spielerisch beißen. Manche Miezen legen dieses Verhalten auch bei ihren Menschen an den Tag – aber nicht, weil sie genug haben, sondern weil sie im Gegenteil unsere Aufmerksamkeit und mit uns spielen wollen.
Am Ende kommt es darauf an, wie gut Du Deine Samtpfote verstehst und ihr Verhalten deuten kannst. Je sensibler Du für ihre Stimmung wirst, desto weniger Missverständnisse können entstehen – und desto geringer wird die Chance, dass Deine Katze Dich beißt, egal aus welchem Grund.



