HomeAllgemeinDas Islandpferd – Das Pferd mit den fünf Gangarten

Das Islandpferd – Das Pferd mit den fünf Gangarten

Der Größe nach ist das Islandpferd eigentlich ein Pony, doch die Bezeichnung Islandpony hat sich bei den Fans der Rasse nie durchgesetzt. Mit einem Stockmaß von durchschnittlich 130 bis 145 Zentimetern ist das Islandpferd tatsächlich nicht besonders groß. Dank seines robusten Körperbaus kann das stattliche Kleinpferd allerdings einen Erwachsenen tragen.

Obwohl der Isländer ein beliebtes Familien- und Freizeitpferd ist, wird er vor allem als Erwachsenenpferd genutzt. Das Besondere am Islandpferd: Es beherrscht nicht nur drei Gangarten, sondern bis zu fünf. Neben Schritt, Trab und Galopp erobern die Isländer Reiterherzen außerdem mit Tölt und Rennpass, auch Pass genannt.

Hier kommt das Islandpferd her

Der Name lässt vermuten, dass das Islandpferd von der gleichnamigen Insel stammt. Allerdings gab es auf Island ursprünglich gar keine Pferde. Erst 860 bis 935 Jahre nach Christus brachten Wikinger die Vorfahren der heutigen Islandpferde mit auf die Insel. Diese paarten sich mit Vertretern mitteleuropäischer und nordischer Ponyrassen, die mit späteren Einwanderern nach Island kamen.

Ein Einfuhrverbot für Pferde wurde zwar früh beschlossen, aber erst 1909 rechtskräftig umgesetzt. Es wird davon ausgegangen, dass zuvor immer wieder Fjordpferde und andere Ponyrassen als Arbeitstiere nach Island gebracht wurden. So entstand das heutige Islandpferd aus einer Mischung verschiedener widerstandsfähiger Pferderassen.

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Die Zuchtgeschichte der Isländer

In seiner Heimat war das Islandpferd lange Zeit Arbeits- und Kriegspferd. Im Mittelalter galten Pferde als besonders wertvoll angesehen. Fielen Pferd und Reiter in der Schlacht, wurden sie in manchen Fällen sogar gemeinsam beerdigt. In schriftlichen Aufzeichnungen wird auch von Hengstkämpfen berichtet, die zur Unterhaltung der Einheimischen und zur Selektion der Zuchttiere veranstaltet wurden.

Zwischen 874 und 1300 nach Christus, während der günstigen klimatischen Bedingungen der mittelalterlichen Warmzeit, wählten isländische Züchter die zur Zucht eingesetzten Ponys auch nach besonderen Regeln wie Farbe und Gestalt. Das isländische Klima ist rau und hart. Nicht alle Pferde hielten der Witterung und dem damit verbundenen Nahrungsmangel stand. Es fand also auch eine Art natürliche Selektion statt.

So auch zwischen den Jahren 1783 und 1784. Damals starben rund 70 Prozent der Islandpferde infolge eines Vulkanausbruches. Der Ausbruch des Lakagígar-Vulkans dauerte acht Monate, bedeckte das Land mit Lava und leitete Flüsse um oder legte sie trocken. Viele Tiere starben an einer Vulkanasche-Vergiftung, manche verhungerten. Die Population der Islandpferde brauchte mehr als ein Jahrhundert, um sich zu erholen.

Islandpferd im Schnee
Foto: pixabay.com/susnpics

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann die selektive Zucht dann wieder an Bedeutung. Die ersten isländischen Rasse-Clubs wurden 1904 gegründet und das ersten Zuchtbuch in Island wurde um herum 1923 begonnen. In den 1950er und 1960er Jahren gab es einen starken Exportanstieg für die Pferde aus Island. Der Hauptmarkt war Deutschland, das auch heute noch das zweitgrößte Zucht- und Exportland für Islandpferde ist.

Der Dachverband FEIF (Föderation Europäischer Islandpferde Freunde) wurde am 25. Mai 1969 gegründet und ist heute unter dem Namen International Federation of Icelandic Horse Associations bekannt. Die Abkürzung FEIF blieb trotz der Namensänderung erhalten. Die Anerkennung als Islandpferd erfolgt nur bei Tieren, deren Vorfahren alle nachweislich aus Island stammen und dort rein gezogen wurden. In Island ist die Einfuhr von Pferden nach wie vor verboten.

Isländer: Wesen und Charakter

Islandpferde sind im Umgang mit dem Menschen sehr entspannt. Darüber hinaus gelten die Tiere, die in ihrer Heimat keine natürlichen Feinde haben, als wenig schreckhaft. Bei richtiger Haltung verhalten sich Islandpferde trotz ihres Temperaments nur selten stur oder widerspenstig – sie arbeiten gerne mit dem Menschen zusammen.

Isländer haben viel Energie und lassen sich von ihrem Reiter auch zu Höchstleistungen antreiben. Besonders bei typisch isländischem Wetter stellen die kleinen Pferde ihre Lauffreudigkeit unter Beweis, Hitze mögen sie dagegen nicht so sehr.

Islandpferde in der Natur bei der Fellpflege

Dichtes Fell und lange Mähne – so sieht ein Islandpferd aus

Allgemein Es gibt beim Islandpferd recht große Unterschiede im Typ.

Viele – besonders die älteren Ponys – stehen im Ponytyp. Ein heutiges Zuchtziel ist jedoch ein eleganteres und gut bemuskeltes, im Reitpferdetyp stehendes Islandpony mit schön getragenem, ausdrucksvollem Kopf (Zuchtziel der FEIF). Dieses Zuchtziel ist jedoch recht umstritten.

Körper Isländer sind rassetypisch robust, was aber nicht heißt, dass jedes Islandpferd ein Gewichtsträger ist.
Der Hals ist kurz, muskulös und breit am Ansatz, der Widerrist ist breit und niedrig, der Brustkorb tief, die Schultern sind muskulös, leicht abfallend, der Rücken lang, die Kruppe breit, muskulös, kurz und leicht abfallend. Die Beine sind stark und kurz, mit relativ langen Sprungbeinen und kurzen Fesseln.
Kopf  Islandpferde haben gut proportionierte Köpfe, mit geradem Profil und breiter Stirn.
Stockmaß
 130 bis 145 Zemtimeter
Farbe Es gibt z.B. Füchse, Schimmel, Rappen, Braune, Falben, Isabellen, Windfarbene und Schecken. Farbwechsler kommen selten vor, aber es gibt sie ebenso wie Plattenschecken und Klecksschecken in Verbindung mit allen Grundfarben. Nur Tigerschecken sind nicht erlaubt. Insgesamt gibt es über 400 Farb- und Mustervarianten.
Fell  Besonders dichtes Winterfell entwickelt, dichte Mähne und Schweif, welcher recht niedrig angesetzt ist.

Eignung und Verwendung: Isländer sind echte Allrounder

Der Isländer ist ein echter Allrounder unter den Pferde- und Ponyrassen. Er ist in vielen Bereichen einsetzbar und ist trotz seiner geringen Größe ein richtiges Erwachsenenreitpferd. Durch sein ausgeglichenes Wesen eignet er sich aber auch als Anfänger- und Kinderpferd. Sowohl Freizeit- als auch Leistungsreiten sind mit dem Isländer problemlos möglich.

Für Familien, die sich ein vielseitiges Pferd für alle Familienmigtlieder wünschen, ist das Islandpferd perfekt. Wenn Ihr ein Islandpferd kaufen möchtet, solltet Ihr darauf achten, ob das Pferd der Wahl vier oder fünf Gangarten beherrscht. Nicht alle Islandpferde haben die Veranlagung für den Rennpass/Pass. Pferde mit fünf Gangarten sind meist etwas teurer. Wenn Euch der Pass nicht wichtig ist, könnt Ihr ohne Bedenken einen sogenannten Viergänger kaufen.

Lebenserwartung und Gesundheit: So alt wird ein Islandpferd

Islandpferde sind im Durchschnitt mit sieben Jahren ausgewachsen. Aus gesundheitlichen Gründen dürfen sie erst zwischen vier und fünf Jahren angeritten werden. Im Idealfall trifft diese Entscheidung ein erfahrener Ausbilder, der sich mit Islandpferden auskennt.

Islandpferde zählen zu den Robustpferderassen, wie zum Beispiel auch Haflinger und Minishetlandponys. Sie können das ganze Jahr an der frischen Luft gehalten werden. Diese Haltungsform wirkt sich besonders günstig auf ihre Gesundheit aus und sollte bevorzugt werden. Trotzdem sollte zu jederzeit ein Unterstand auf der Weide vorhanden sein. So können sich die Tiere bei starkem Regen, direkter Sonneneinstrahlung auf der Sommerkoppel oder Schneefall in einen geschützten Bereich zurückziehen.

Islandpferd in der Natur.

Erkrankungen der isländischen Zucht sind weitgehend unbekannt. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Tiere auf Island isoliert leben und nicht mit anderen Pferden in Berührung kommen. Pferde, die Island verlassen haben, dürfen nicht rückimportiert werden. Die Gesetze sind streng: Wer gebrauchtes Pferdezubehör kaufen möchten, kann dies nur auf Island tun. Importierte Ausrüstung muss neu und unbenutzt sein. Die Islandpferdezucht gilt als größte Reinzucht der Welt.

Aber die Isolation hat unter anderem den Nachteil, dass die Pferde keinerlei Immunität gegen typische Pferdekrankheiten besitzen. Der Ausbruch einer solchen Krankheit wäre dementsprechend verheerend. Wer ein isländisches Pferd nach Deutschland importieren möchte, sollte das im Hinterkopf behalten. Vergiss zudem nicht, eine Ankaufsuntersuchung durchzuführen, sobald Du ein Pferd ins Auge gefasst hast. Islandpferde zählen zu den langlebigen Pferderassen und werden nicht selten über 30 Jahre alt. Gesunde Tiere können oft noch bis über das 25. Lebensjahr hinaus geritten werden.

Im Allgemeinen sind die Tiere sehr robust. Nur zwei erblich bedingte Krankheiten werden häufiger erwähnt:

  • Sommerekzem (Allergie gegen den Speichel einer auf Island nicht vorkommenden Gnitzenart (Bartmücke))
  • Spat (Entzündung kleiner Knochen im Sprunggelenk, die zu Verknöcherungen führen kann)
Weitere Pferderassen: Hier findest Du alle Rasseportraits

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