Jährlich grüßt das Murmeltier: Weihnachten steht vor der Tür und damit auch die Frage nach dem perfekten Geschenk für die Liebsten. Leider greifen Menschen dabei immer wieder zu Tieren, die dann unter dem Weihnachtsbaum landen. Behörden und Tierschützer warnen allerdings: Auf lebende Geschenke solltest Du an Weihnachten unbedingt verzichten.
- Hohe Verantwortung: Tiere brauchen jahrelang Zeit, Pflege, Erziehung und finanzielle Mittel. Spontane Geschenkentscheidungen berücksichtigen das oft nicht.
- Lebewesen, keine Waren: Ein Tier ist ein fühlendes Geschöpf – Haustiere als Weihnachtsgeschenk führen häufig zu Überforderung und mangelnder Vorbereitung.
- Tierheime überfüllt: Jedes Jahr landen viele „Weihnachtstiere“ nach kurzer Zeit im Tierheim oder werden ausgesetzt. Viele Heime verhängen deshalb einen Vermittlungsstopp rund um die Feiertage.
- Illegale Welpenhändler profitieren: Die Nachfrage zu Weihnachten fördert tierschutzwidrige Zucht, kranke Tiere und Leid.
- Stressige Weihnachtszeit: Trubel, Besuch und Silvesterlärm sind keine geeigneten Bedingungen für die Eingewöhnung eines neuen Tieres.
- Bessere Alternativen: Statt lebender Tiere eignen sich Patenschaften, Spendenaktionen oder passende Geschenkideen für Tierfreund*innen.
Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke
Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke – dieser Grundsatz sollte eigentlich allen klar sein. Doch leider werden immer wieder Lebewesen unter den Baum gelegt. Dabei vergessen viele: Ein Haustier benötigt Zeit, Platz, Aufmerksamkeit, Erziehung und Wissen über artgerechte Haltung – und das jahrelang! Wenn der Beschenkte nicht aktiv an der Entscheidung beteiligt war, fehlt die Vorbereitung und die Bereitschaft meist vollständig.
Das Problem: Der Kauf der Tiere ist häufig unüberlegt, das lebende Geschenk oft unerwünscht. Die Folge: Das neue Haustier wird nicht richtig versorgt, erfährt keine Liebe und landet im schlimmsten Fall einfach auf der Straße.
Deshalb warnen auch in diesem Jahr Tierschützer und Behörden davor, Haustiere an Weihnachten zu verschenken. Die Hamburger Behörde für Justiz und Verbraucherschutz und der Hamburger Tierschutzverein erklären, dass das Verschenken von Tieren nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch gefährlich sein kann.
Warum an Weihnachten keine Haustiere verschenken? Im Gespräch mit Heimtierexpertin Sarah Ross
Leuchtende Kinderaugen, wenn der Welpe niedlich aus dem Pappkarton guckt — das klingt nach einem schönen Weihnachtsabend. Allerdings nicht für alle Beteiligten. Denn während sich der Nachwuchs vermutlich über den Babyhund unterm Weihnachtsbaum freut, ist die Bescherung für den Vierbeiner womöglich der Start einer langen Leidensgeschichte.
Denn: Wer ein Tier verschenkt, der verschenkt ein Leben. „Ein Tier ist kein lebloser Gegenstand, sondern ein lebendes, fühlendes Geschöpf mit Bedürfnissen“, erklärt „Vier Pfoten“-Heimtierexpertin Sarah Ross im Gespräch mit DeineTierwelt. „Eine Tierhalterin oder ein Tierhalter geht eine jahrelange Verpflichtung ein, diesen Bedürfnissen nachzukommen“, sagt sie. Haustiere als Weihnachtsgeschenk sind daher eine schlechte Idee.
Ein Haustier kann einen Wandel der Lebensumstände nach sich ziehen. „Ich kann nicht fünf Stunden shoppen gehen und danach mal gucken, ob der Welpe noch lebt“, so die Tierschützerin im DeineTierwelt-Podcast „Pet-Talks: Klartext“. Aber Haustiere brauchen nicht nur Zeit: Wer ein Tier bei sich aufnimmt, trägt die Verantwortung für den Vierbeiner – ein ganzes Tierleben lang.
„Allzu oft weicht der erste Enthusiasmus des Beschenkten der ungeschönten Tatsache, dass ein Tier viel Fürsorge braucht, Geld und Zeit kostet“, warnt auch Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. „Da die Tierheime bereits mit Tieren überfüllt sind, die unüberlegt angeschafft wurden, können wir nur vehement von Weihnachtsgeschenken in Form von Haustieren abraten – egal, ob zu Weihnachten oder einem anderen Anlass.“
Nicht jeder kann die Verantwortung für ein Tier tragen
Was viele vergessen: Ein Hund kann 15 Jahre alt werden, eine Katze sogar 20 – und so lange muss sich dann auch jemand um die Tiere kümmern. Täglich füttern, beschäftigen, die Krallen schneiden, das Fell pflegen, zum Tierarzt gehen — und zumindest mit dem Hund bei Wind und Wetter Gassi gehen.
Eltern sollten sich daher nicht von dem Gebettel ihrer Kinder breitschlagen lassen. Besonders zum Fest der Liebe boomt das Spiel mit Gefühlen, was emotionale Manipulation befeuere, warnt das Hamburger Tierheim. Viele Menschen ließen sich dann zu Mitleidskäufen hinreißen, besonders, wenn ein Haustier als Weihnachtsgeschenk gedacht ist, etwa in Form niedlicher Jungtiere aus dem illegalen Welpenhandel. Doch die vermeintliche Rettung und unüberlegte Käufe tragen zum Teufelskreis bei, sodass viele von ihnen am Ende in den vollen Tierheimen landen.
Wichtig sei auch, dass Menschen die individuellen Bedürfnisse eines Tieres kennen und darauf eingehen, betont Heike Weber, Leiterin Tierschutz bei der Organisation „Tasso e.V.“. Das gelte nicht nur für Hunde oder Katzen: „Auch die Haltung von kleinen Heimtieren wie beispielsweise Kaninchen oder Meerschweinchen erfordert besondere Kenntnisse“, stellt Weber klar.
Dazu kommt: Tiere kosten Geld. Nicht nur für Futter und Spielzeug — beim Tierarzt werden schnell mal mehrere Hundert Euro fällig. Wer ein Tier hat, sollte für Notfälle also immer etwas Geld zur Seite legen und eine Versicherung abschließen.
Haustiere als Weihnachtsgeschenke sind ein Geschäft, aber wer zahlt den Preis?
Beim Tierkauf ist es dringend erforderlich, vorher genau zu überlegen, ob die Pflege, Unterbringung und Finanzierung für die gesamte Lebensdauer des Tieres gewährleistet werden kann. Neben der Anschaffung entstehen laufende Kosten für Futter, Tierarzt, Versicherungen, Ausstattung und mögliche Notfälle. Wird ein Tier verschenkt, ist oft unklar, wer diese Kosten dauerhaft trägt.

Achtung: Züchter und Welpenhändler profitieren vom Weihnachtsgeschäft
Darüber hinaus ist es wichtig, die Herkunft des Tieres zu hinterfragen. Denn immer wieder werden Hunde, Katzen und Co. aus fragwürdiger Tierhaltung angeboten, die im Ausland unter tierschutzwidrigen Bedingungen gezüchtet wurden.
Das Geschäft mit den Zuchttieren ist besonders problematisch, wenn die Tiere unter Krankheiten leiden, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Solche Tiere landen dann nach dem unüberlegten Kauf besonders häufig in den Tierheimen, die dann für die schwierige und oftmals teure Versorgung aufkommen müssen.
Deshalb gilt: Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke! Der Kauf eines Haustiers bedeutet viel Verantwortung und sollte immer wohl überlegt sein.
Belastung nach den Feiertagen: Tiere landen im Tierheim
Nach Weihnachten beginnt wieder der Alltag: Arbeit, Schule und Termine. Tiere benötigen jedoch gerade in den ersten Wochen intensive Betreuung. Das führt häufig zu Überforderung und Fehlverhalten des Tieres durch mangelnde Struktur. Nicht jeder ist dieser Verantwortung gewachsen. Ausbaden müssen diese Überforderung meistens die Tiere.
Sven Fraaß ist Pressesprecher beim Hamburger Tierschutzverein und beteibt zudem das Tierheim in der Süderstraße in Hamburg. Er bekommt jedes Jahr mit, welches Schicksal den Tieren droht, die als Spontankäufe unterm Weihnachtsbaum gelandet sind. „Spätestens zur Urlaubszeit muss das ,Saubermach-Problem‘ dann weg“, sagt er. „Und wir sind froh, wenn die Tiere dann wenigstens mit irgendeiner Begründung im Tierheim abgegeben werden.“ Denn häufig drohe den ungewollten Christbaum-Tieren ein viel schlimmeres Schicksal: Entweder sie werden vernachlässigt oder einfach ausgesetzt. Fraaß: „Wir haben auch schon Tiere im Altglas- oder Altkleidercontainer gefunden.“
Es dürfe eben nicht kurz vor Weihnachten oder sogar am Tag der Bescherung die Entscheidung gefallen sein, ein Tier zu kaufen oder gar zu verschenken, weil die Gefahr, dass dies nur aus einer kurzzeitigen Emotion oder Geschenke-Not heraus geschah, viel zu groß ist.
Hohe Abgabequote nach Weihnachten: Tierheime verhängen Vermittlungsstopp
Wie im Gespräch mit Fraaß klar wird, verzeichnen Tierheime jedes Jahr nach den Feiertagen einen deutlichen Anstieg von abgegebenen Tieren, weil spontane Weihnachtsgeschenke nicht langfristig gewollt oder durchdacht waren. Das zeigt, dass viele Geschenkentscheidungen an der Realität scheitern.
Damit Hunden, Katzen und Kleintieren dieses Schicksal erspart bleibt, verhängen viele Tierheime über die Weihnachtszeit einen Vermittlungsstopp. Das bedeutet: Niemand bekommt dort in der Weihnachtszeit ein Tier. Das Tierheim in der Süderstraße etwa schließt in diesem Jahr ab dem 20 Dezember bis nach Neujahr für Besuchende. Bereits vorher abgesprochene Vermittlungen und
begründete Termine finden natürlich dennoch statt. Auch das Tierheim Bremen blieb in den vergangenen Jahren um die Weihnachtszeit geschlossen. Das gleiche gilt für das Tierheim Berlin, welches seine Türen zwischen dem 20. Dezember und 1. Januar ebenfalls schließt. Ein Kennenlernen der Tiere darf auch in dem Zeitraum stattfinden, nur bis zum Auszug muss sich noch etwas geduldet werden.

Silvesterspektakel eignet sich nicht zum Einleben
„Ein Weihnachtsfest und das folgende Silvesterspektakel bedeuten für Tiere eine große Anstrengung – viele Familienmitglieder und ungewohnte Lautstärke. Für eine Eingewöhnungszeit bietet sich eine ruhigere Zeit an“, betont Bernhardt.
Für Tierschützerin Ross ist das eine sinnvolle Lösung. Sie glaubt nicht, dass Tiere während des Vermittlungsstopps die Chance auf eine liebevolle Familie verpassen würden. „Das gute, liebevolle Zuhause nimmt sich die Zeit, bis die stressige Weihnachtszeit vorbei ist“, sagt sie. „Ein gutes, liebevolles Zuhause hat die Anschaffung nämlich gut durchdacht, ist sich der Verantwortung bewusst und möchte das Tier wirklich haben.“
Besserer Ansatz: Das kannst Du statt Haustieren zu Weihnachten verschenken
Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum, sondern sollten in jedem Fall eine gemeinsame und gut überlegte Entscheidung sein. Ein Haustier sollte nur dann einziehen, wenn alle Beteiligten dies bewusst wollen, informiert sind und die Lebensumstände es zulassen. Bedenken werden dann offen besprochen, und das Tier bekommt ein verantwortungsvolles, stabiles Zuhause.
Ideen zu alternativen Weihnachtsgeschenken
Hier findest Du Weihnachtsgeschenke für Hunde-Menschen und hier Weihnachtsgeschenke für Katzen-Menschen. Um Tieren zur Weihnachtszeit zu helfen, kannst Du zum Beispiel bei Deinem lokalen Tierheim schauen, welche Aktionen es gibt. So lädt der Hamburger Tierschutzverein beispielsweise dazu ein, die Tiere mittels der Weihnachtsbaumaktion zu beschenken. Viele Tierheime veranstalten auch Weihnachtsmärkte wie das Oldenburger Tierheim an jedem Adventswochenende.
„Wer zu Weihnachten Tieren etwas Gutes tun möchte, kann auch Verantwortung in Form einer Patenschaft übernehmen. Ebenso kann eine Spendenaktion für tierische Schützlinge ein liebevolles Geschenk sein“, sagt Janet Bernhardt, erste Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e.V.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Haustiere als Weihnachtsgeschenk
Hunde als Weihnachtsgeschenk: Ist Tiere verschenken okay?
Nein, Tiere sind nicht als Weihnachtsgeschenke gedacht. Ein Haustier ist keine Ware, sondern ein Lebewesen mit Bedürfnissen, Gewohnheiten, Stressanfälligkeiten und Emotionen. Außerdem leben Tiere viele Jahre. Ein Geschenk an Weihnachten wird jedoch oft emotional und spontan entschieden. Wird die anfängliche Freude schwächer, bleibt die Verantwortung dennoch bestehen. Viele Menschen sind auf diese langfristige Bindung nicht vorbereitet.
In beiden Punkten widerspricht der Geschenkcharakter dem respektvollen Umgang, den ein Tier verdient.
Ist es okay, Kindern zu Weihnachten ein Haustier zu schenken?
Nein, ein Haustier ist eine unpassende Überraschung für Kinder. Kinder wünschen sich häufig Haustiere, können die Verantwortung jedoch selten allein tragen. Wenn Erwachsene die Pflege letztlich übernehmen müssen, führt das häufig zu Konflikten und Überforderung.
„Allzu oft weicht der erste Enthusiasmus des Beschenkten der ungeschönten Tatsache, dass ein Tier viel Fürsorge braucht, Geld und Zeit kostet“, warnt auch Lea Schmitz vom „Deutschen Tierschutzbund“. „Da die Tierheime bereits mit Tieren überfüllt sind, die unüberlegt angeschafft wurden, können wir nur vehement davon abraten, ein Tier zu verschenken – egal, ob zu Weihnachten oder einem anderen Anlass.“



