Die Eötvös-Loránd-Universität in Budapest erforscht seit vielen Jahren die Beziehung zwischen Mensch und Hund. Hierzu wurde unter anderem eine Online-Befragung mit 717 Hundehaltern durchgeführt.
Eine Studie mit 717 Hundebesitzern
Die Ergebnisse der Studie veröffentlichten die beiden Wissenschaftlerinnen Borbála Turcsán und Eiikö Kubinyi im Fachjournal „Scientific Reports“. Dort erläuterten sie, welche zentralen Fragestellungen sie hatten:
- Wie bewerten Hundebesitzer ihre Beziehung zu Hunden im Vergleich zu Beziehungen zu engen menschlichen Bezugspersonen (Kinder, Partner, bester Freund, Verwandte)
- Lassen sich Beziehungen zu Hunden mit denselben Merkmalen beschreiben wie menschliche Beziehungen?
- Welche Faktoren beeinflussen die Qualität der Mensch-Hund-Beziehung?
Um die Fragen zu klären, entwarfen sie einen Fragebogen mit 13 Skalen, die unter anderem die Zuneigung, Verlässlichkeit, Fürsorge, Konflikte und Machtverhältnisse betrafen. Jeder Teilnehmer bewertete hierbei die Beziehung zu seinem Hund und bis zu vier Menschen aus seinem Umfeld.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie
Beziehungsqualität zwischen Hund und Mensch
Hunde schneiden besonders gut ab: Hundebesitzer berichten über eine größere Zufriedenheit mit ihren Hunden als mit allen menschlichen Bezugspersonen – mit Ausnahme ihrer Kinder. Auch die empfundene Unterstützung durch Hunde ist höher als die durch die meisten andere Menschen, wiederum mit Ausnahme der Kinder.

Insgesamt gibt es weniger Konflikte als mit anderen Bezugspersonen. Eine Ausnahme stellen hierbei lediglich die besten Freunde dar, bei denen die Unterschiede geringer ausfallen. Insgesamt gesehen zeichnet sich die Beziehung zu Hunden durch hohe Kameradschaft, viele Gelegenheiten zur Fürsorge und sehr wenige negative Interaktionen aus.
Machtverhältnisse und Rollenverständnis
Die Mensch-Hund-Beziehung ist durch ein Machtgefälle geprägt: Menschen haben die vollständige Kontrolle über das Leben des Hundes. Dies unterscheidet sie von den meisten menschlichen Beziehungen und dürfte die geringe Konflikthäufigkeit erklären. Die Beziehung zu Hunden vereint Merkmale der Eltern-Kind-Bindung (Pflege, Schutz, Abhängigkeit, Machtasymmetrie) mit den positiven Aspekten enger Freundschaften (Zuverlässigkeit, wenig Konflikte).
Vergleich mit menschlichen Beziehungen
Nur die Beziehung zum eigenen Kind wird ähnlich positiv bewertet wie die Beziehung zum Hund. In den meisten anderen Kategorien (Partner, Freund, Verwandte) schneiden Hunde besser ab! Besonders in Bereichen wie Kameradschaft, Verlässlichkeit und geringer Konfliktneigung ähneln Hunde engen Freunden, während Fürsorge und Machtgefälle an die Eltern-Kind-Beziehung erinnern.
Einflüsse auf die Beziehung
Die emotionale Bedeutung des Hundes ist für Singles, junge Erwachsene und Eltern, deren Kinder ausgezogen sind, besonders hoch. In Familien mit Kindern tritt der Hund eher in den Hintergrund. Dagegen berichten jüngere und ältere Halter von einer stärkeren Bindung zum Hund als Menschen
mittleren Alters.
Auch das Alter des Hundes spielt eine Rolle: Welpen werden eher wie Kinder behandelt, erwachsene Hunde eher wie Freunde. Und je länger ein Hund im Haushalt lebt, desto stabiler und positiver wird die Beziehung bewertet.
Untersucht wurden zudem Zusammenhänge zu menschlichen Beziehungen: Eine gute Beziehung zum Hund steht meist im Zusammenhang mit positiven menschlichen Beziehungen. Hundebesitzer kompensieren also nicht zwingend Defizite in ihrem menschlichen Umfeld durch die Beziehung zum Hund.

Die Studie zeigt, dass Hunde im Leben ihrer Menschen eine einzigartige und emotional bedeutsame Rolle spielen, die mit klassischen Kategorien wie „Haustier“, „Kind“ oder „Freund“ nur unzureichend beschrieben werden kann.
Die Mensch-Hund-Beziehung vereint Elemente verschiedener Beziehungstypen und ist durch ein hohes Maß an Zuneigung, Verlässlichkeit, Fürsorge und geringe Konflikthäufigkeit gekennzeichnet. Das Machtgefälle zugunsten des Menschen trägt vermutlich zur Harmonie bei. Die Ergebnisse belegen somit, dass Hunde für viele Menschen eine ähnlich wichtige oder sogar wichtigere Rolle als enge menschliche Bezugspersonen spielen.
Einordnung der Studienergebnisse
Die Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache, allerdings muss die Auswahl der Testpersonen einbezogen werden: Über 90 % der Befragten waren Frauen, was eine Verallgemeinerung auf alle Hundebesitzer einschränkt. Zudem rekrutierten sich die Teilnehmer über soziale Medien, was zu einer Positivverzerrung geführt haben könnte. Die Vielfalt aller Hundehalter wird somit nicht vollständig abgebildet.
Dennoch bietet die Studie ein innovatives methodisches Vorgehen, das neue Perspektiven auf die Rolle von Hunden in unserem Leben eröffnet und ihre emotionale Bedeutung wissenschaftlich bestätigt hat.
von Thomas Brodmann



