HomePodcastChristine Finke: „Nach dem Feierabend beginnt die Tierschutz-Arbeit“

Christine Finke: „Nach dem Feierabend beginnt die Tierschutz-Arbeit“

Seit sechs Jahren engagiert sich Christine Finke (32) im „Hundegarten Serres e.V.“. Was im Studium als Ehrenamt begann, ist auch jetzt neben ihrem Vollzeitjob noch immer ein wichtiger Teil ihres Alltags. Wie bekommt sie alles unter einen Hut – und warum lohnt sich der Einsatz für die Tiere so sehr? Darüber berichtet Christine in der neuen Folge unseres Podcasts „Tierschutz-Update“.

Eigentlich müsste man sich mal ehrenamtlich engagieren – aber dann kommt der Alltag dazwischen. Arbeit, Haushalt und all die anderen Verpflichtungen sorgen dafür, dass wir unser Ziel, zum Beispiel für mehr Tierschutz-Engagement, schnell wieder aus den Augen verlieren. Umso inspirierender sind Geschichten wie die von Christine Finke (32): Sie rockt seit sechs Jahren ihr Ehrenamt im „Hundegarten Serres e.V.“.

Der Tierschutzverein betreut rund 1.000 Straßenhunde und ein paar hundert Katzen, vor allem in Griechenland, und vermittelt die Tiere nach Deutschland. Gestartet ist der Verein, weil eine Bekannte der Gründerin sie vor einigen Jahren auf das Leid der Straßentiere in Serres aufmerksam gemacht hatte. „Wir sind ganz klein angefangen, vor elf Jahren oder zwölf Jahren, und immer weiter gewachsen“, erklärt Finke. Aktuell umfasst das Team rund 45 Helfer.

Christine Finke ist eine von ihnen – und mittlerweile sogar im Vorstand des Tierschutzvereins. Aktuell ist sie zudem mitverantwortlich für acht Vermittlerinnen im Postleitzahlenbereich 0 bis 6. Diese führen die Telefonate mit Interessenten, die eine Selbstauskunft im Verein ausgefüllt haben. Außerdem ist Christine Finke verantwortlich für Pflegestellen und organisiert und leitet Helferaktionen vor Ort.

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Dafür reist sie so oft wie möglich selbst nach Griechenland. 2023 schaffte sie fünf Besuche im Partnertierheim in Serres. Und das alles quasi „nebenbei“ – denn montags bis freitags arbeitet Christine in ihrem Vollzeitjob. Wenn der Arbeitstag endet, beginnt die Arbeit für die Tiere.

Auch an den Wochenenden dreht sich bei Christine Finke viel um ihr Engagement. Denn dann kommen oftmals vermittelte Tiere an, die über den Landweg mit der Partnerorganisation „GA Life“ nach Deutschland kommen und hier an ihre neuen Familien übergeben werden.

„Aber es gibt natürlich viele weitere Aufgaben, die einfach so für eine aussenstehende Person erstmal nicht ersichtlich sind.“ Organisieren, planen, Fragen beantworten, Entscheidungen treffen – „und da investiert man natürlich schon sehr viel von seiner Freizeit“. Nicht leicht, das alles zu stemmen, oder? Natürlich müsse man beides miteinander vereinbaren, so Christine, aber: „Ich glaube, das schaffe ich ganz gut.“

Christine Finke vom „Hundegarten Serres e.V.“ mit Hund.
Foto: privat

Pflegestelle für 30 Hunde

Hinzu kommt: Auch Christine nimmt als Pflegestelle immer wieder wechselnde Hund auf, die hier auf ein neues Zuhause hoffen. Bislang hatte sie schon mehr als 30 Pflegehunde. Mittlerweile ist sie also erprobt darin, mit ängstlichen oder kranken Hunden umzugehen. Auch das Miteinander zwischen ihrer eigenen Hündin Lotti und den wechselnden Mitbewohnern klappt meistens gut.

Wer wie sie als Pflegestelle einen Hund aufnimmt, kann sich diesen übrigens zusammen mit dem Ansprechpartner des Vereins aussuchen. Wie lange ein Hund dann bleibt, das kann allerdings niemand vorhersehen – vielleicht nur wenige Wochen oder Tage, vielleicht aber sogar mehrere Jahre. „Das hängt ganz von dem Hund und seinen Ausgangsbedingungen ab.“

Christine Finke vom „Hundegarten Serres e.V.“ mit Hund.
Foto: privat

Passiert es auch manchmal, dass sich eine Pflegefamilie so sehr in den Vierbeiner verliebt, dass sie ihn für immer behält? „Ja – das mag ich überhaupt nicht!“, sagt Christine mit einem Lachen. Warum? „Ich hatte natürlich auch schon viele tolle Hunde bei mir, wo ich mir gedacht habe, ‚Hey, den würde ich eigentlich super gerne behalten‘, habe mich aber jedes Mal dagegen entschieden.“,

Denn sobald sie einen der Hunde behalte, könne sie keinem anderen mehr helfen. Und in der Regel sei es so, dass wenn eine Pflegestelle sich entschließe, einen Hund zu behalten, kein weiterer nachrücken könne. „Das ist einfach schade, weil so viele Hunde diese Pflegestelle eigentlich brauchen.“

Hunde aus dem Tierschutz haben besondere Anforderungen

Egal ob Pflegestelle oder Zuhause für immer – worauf sich die neuen Familien einstellen müssen: Die Hunde aus dem „Hundegarten Serres“ kommen alle aus Zwingerhaltung, kennen kaum den engen Kontakt zu Menschen, sind nicht stubenrein und nicht an die Leine gewöhnt. Interessenten müssen deshalb meist einen eingezäunten Garten vorweisen können. Auch Zeit und die finanziellen Mittel zur Versorgung eines Hundes müssen vorhanden sein.

Und gerade zeitlich müssen Halter häufig mehr investieren als für Hunde vom Züchter. Schließlich wisse man nie, was der Hund zuvor erlebt habe und wie viel man mit ihm arbeiten müsse, bevor er am normalen Alltag teilnehmen könne.

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„Manchmal klappt eine Vermittlung (…) nicht so gut, das ist zum Glück sehr selten“, so die Hundefreundin. Dann wenden sich die Halter wieder an den Verein und es wird nach einer Lösung geschaut. Oft muss der Vierbeiner dann schnell anderweitig zum Beispiel vorübergehend auf einer Pflegestelle untergebracht werden. Auch das gehört zu Christines Alltag bei der Tierschutzarbeit.

Wer einen Tierschutz-Hund adoptiert, verändert ein Leben

Warum es sich trotzdem lohnt, einen Hund aus dem Auslandstierschutz aufzunehmen? „Wenn es dann funktioniert hat, ist es einfach wunderschön zu sehen: Aus was für Bedingungen ist der Hund gekommen und wo ist der jetzt heute? Was hat der jetzt für ein Leben, dadurch dass ich ihn adoptiert habe, und wie hätte sonst sein Leben ausgesehen, wenn ich ihn nicht adoptiert hätte?“

Bei ihrem letzten Besuch in Griechenland traf Christine Finke etwa einen jungen Hund, der an einer Kette gehalten wurde: „Der Hund war erst acht Monate alt und eigentlich ja total verspielt und wild. Er wollte die ganze Zeit rennen und die Aufmerksamkeit durch einen Menschen – und das ging dann da halt nicht wirklich.“

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In diesem Fall hatte die junge Fellnase Glück: Schon wenige Wochen nach Christines Besuch befand sich der Kleine auf dem Weg nach Deutschland zu seiner neuen Familie. „Das sind schon so Geschichte, die einen besonders mitreißen und die auch dafür sorgen, dass man immer weiter machen will.“ Denn auch, wenn es nur ein Hund ist: Für diesen einen Hund könne man etwas bewegen.

Auslandstierschutz: Wichtig ist die Balance

„Je länger man für die Hunde aktiv ist (…), umso erschütternder ist es dann jedes Mal, zurück zu kommen und so sehen: Hey, das Leid ist noch so groß, obwohl wir schon so viel tun. Und manchmal fühlt man sich dann auch so, als würde man wirklich gegen Windmühlen ankämpfen. Aber es sind dann die kleinen Dinge, die an denen man sich wieder hochziehen muss.“

Wichtig für Christine, um sich nicht zu sehr von dem scheinbar endlosen Leid runterziehen zu lassen und dem „Activism Burnout“ vorzubeugen: die Balance bewahren. „Ich muss mich auch mal normal mit meinen Freundinnen treffen können, wo es dann nicht nur um Hunde geht.

Christine Finke vom „Hundegarten Serres e.V.“.
Foto: privat

„Wir brauchen immer Helfer“

Du möchtest die Arbeit des Vereins unterstützen? Die einfachste Möglichkeit sind Geld- oder Sachspenden sowie die Übernahme einer Namenspatenschaft. Im Tiermarkt von DeineTierwelt findest Du aktuelle Vermittlungsanzeigen des Vereins.

Du möchtest Dich ganz aktiv engagieren? „Wir suchen eigentlich immer helfende Hände“, sagt Christine. Zum Beispiel beim Erstellen der Schutzverträge, beim Inserieren der Vermittlungshunde, beim Social-Media-Auftritt oder in der Buchhaltung. Wichtig ist nur: Mindestens zwei Stunden in den Woche solltest Du für Dein Engagement aufbringen können. Nur dann ergibt es für den Verein Sinn, Dich richtig einzuarbeiten.

„Es lohnt sich für uns als Verein erst dann, wenn die Person in der Lage ist, kontinuierlich zu helfen. Weil wir tatsächlich ganz oft Leute haben, die sich melden, und dann sind die erst total motiviert und nach wenigen Wochen sind die dann schon wieder weg, weil sie eigentlich gar keine Zeit haben zu helfen.“

„Hundegarten Serres“ baut eigenes Tierheim in Griechenland

Wer bereit ist, das zu investieren, wird mit dem guten Gefühl belohnt, im Leben der ehemaligen Straßenhunde einen echten Unterschied zu machen. Alle Helfer bekommen regelmäßige Updates, Fotos und Videos zu den vermittelten Hunden. Und sehen so: Der Hund, der vor wenigen Wochen noch auf der Straße gelebt hat, ist jetzt glücklich im neuen Zuhause – weil ich ihn inseriert habe.

Wie es für den „Hundegarten Serres“ weitergeht? Das nächste große Projekt ist ein eigenes Tierheim. Der Verein hat bereits ein eigenes Grundstück mit einem mehr als 200 Quadratmeter großen Haus gekauft, in dem Helfer seit März wohnen können.

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„Aber wann dann tatsächlich die ersten Hunde dort einziehen können, das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht sagen – wir hoffen natürlich so schnell wie möglich.“

Das ganze Gespräch mit Christine Finke gibt es in der aktuellen Folge des DeineTierwelt-Podcasts „Tierschutz-Update“. Viel Spaß beim Hören!

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