Die dramatische Befreiung von 47 Hunden aus einem verwahrlosten Haus im niedersächsischen Bad Iburg liegt erst wenige Wochen zurück. Die Zustände, unter denen die Tiere lebten, schockierten selbst erfahrene Tierschützer. Umso erfreulicher ist nun die Nachricht: Etwa die Hälfte der geretteten Tiere konnte bereits in neue Zuhause umziehen.
24 der betroffenen Hunde haben mittlerweile neue Familien gefunden. Noch immer befinden sich aber rund 20 Tiere in verschiedenen Tierheimen der Region. Die Fellnasen sind zum Teil in kritischem Zustand oder schwer traumatisiert. Zwei Hunde mussten leider eingeschläfert werden, da sich ihr Gesundheitszustand trotz aller Bemühungen nicht stabilisieren ließ.
Schwere Vermittlung und Herausforderungen für Tierheime
Nach dem Hinweis eines aufmerksamen Bürgers waren die 47 Hunde im Februar aus einem leerstehenden Gebäude in Bad Iburg befreit worden. Die Tiere waren ausgehundert, dehydriert und litten unter gravierenden, gesundheitlichen Problemen. Viele hatten sich aus Verzweiflung von Tapetenresten oder Kot ernährt. Zahlreiche Tierheime in Niedersachsen und NRW übernahmen die Versorgung und Pflege der Hunde – darunter Einrichtungen in Melle, Osnabrück, Münster, Bielefeld und Lengerich, berichtet der „NDR“.
Doch trotz des großen Engagements gestaltet sich die Vermittlung in vielen Fällen schwierig. Wie mehrere Tierheime berichten, sind viele Vierbeiner nicht stubenrein, schreckhaft oder in ihrem Verhalten eingeschränkt. Hinzu kommt: Einige Interessenten scheuen den Aufwand, der mit der Resozialisierung dieser Hunde verbunden ist. Geduld und Einfühlungsvermögen sind hier besonders gefragt.
Konkurrenz durch „beliebtere“ Hunde
Ein weiteres Hindernis zeigt sich am Beispiel des Tierheims in Lengerich. Dort wurden elf Spitz-Mischlinge aus Bad Iburg aufgenommen – doch bislang konnte kein einziger vermittelt werden. Der Grund: Zeitgleich kamen über 50 Malteser ins Heim, die als anhänglicher und pflegeleichter gelten. Diese Rasse sei derzeit zudem im Trend, berichten die Mitarbeitenden gegenüber dem Sender. Viele Interessenten hätten sich deshalb gegen die Spitzmischlinge entschieden.
Auch im Tierheim Bielefeld sind die Plätze noch belegt: Von fünf aufgenommenen Hunden konnten lediglich zwei vermittelt werden. Laut Tierheimleiterin sei einer der Gründe dafür, dass die Fellnasen nicht komplett stubenrein sind. Interessenten würden davor zurückschrecken. Dabei seien Fortschritte mit Geduld durchaus möglich – doch genau das bringe nicht jeder mit.
Grauenvolle Zustände bei der Hunde-Rettung
Die Ereignisse, die zur Unterbringung der Hunde führten, sorgten im Februar bundesweit für Entsetzen. In dem verlassenen Haus fehlte es an allem: Wasser, Futter, Pflege. Kot, Urin und Dreck bedeckten den Boden, die Tiere waren krank, unterernährt und teilweise trächtig. Einige konnten sich kaum noch auf den Beinen halten, so stark hatten sie abgebaut.
Ermittlungen gegen die früheren Halter laufen. Der Polizei zufolge könnten sie sich wegen mehrfacher Tierquälerei verantworten müssen. Wie lange die Hunde unter diesen Bedingungen leiden mussten, ist weiterhin unklar. Experten gehen jedoch davon aus, dass sie monatelang sich selbst überlassen waren.
Eine erste Schätzung spricht von mindestens sechs Monaten ohne ausreichende Versorgung. Glücklicherweise gelang durch das Eingreifen der Behörden die rechtzeitige Rettung für Dutzende Hunde – auch wenn nicht alle Tiere überlebt haben…



