Gingivitis, Parodontitis, Stomatitis oder Feline odontoklastische resorptive Läsionen (FORL) – komplizierte Wörter, die eines gemeinsam haben: Sie alle sind mögliche Zahnerkrankungen, die Deine Katze plagen können. Aber woran kannst Du Zahnschmerzen bei Deinem Vierbeiner erkennen? Und wie wird das behandelt?
Katzenexpertinnen Christina Wolf und Annika Holzkamp sowie Tierzahnärztin Melanie Schwarze bringen Licht ins Dunkel.
Aktuell gehören Zahnschmerzen leider zu den häufigsten Leiden, die Tierärzte bei den kleinen Schmusetigern feststellen müssen. Denn fast vier von fünf Katzen, die über drei Jahre alt sind, haben irgendwann einmal Probleme mit den Zähnen, wie die Tierzahnärztin Melanie Schwarze im Newsletter des „Industrieverbands Heimtierbedarf“ (IVH) erklärt.
Zahnprobleme bleiben oft unentdeckt
Weil Tierhalter selten auf die Idee kommen, dass ihre Samtpfote Zahnprobleme hat, werden diese oft nur zufällig bei anderen Untersuchungen durch den Tierarzt entdeckt. Dann wird in der Regel an einen Spezialisten verwiesen. Manchmal reichen Medikamente und eine Zahnreinigung.
Auch Tina Wolf trifft als Tiermedizinische Fachangestellte in der Praxis immer wieder auf das ein oder anderen Fellknäuel mit Zahnproblemen. Aber nicht nur dort: Auch ihren eigenen Katzen mussten die Expertin – genau wie Annika Holzkamp – bereits dabei zusehen, wie sie Zahnkrankheiten quälten.
Was sind die gängigsten Zahnprobleme von Katzen?
Die zwei bekanntesten Zahnprobleme bei den Samtpfoten sind zum einen Zahnstein und zum anderen FORL. Zahnstein entsteht durch die Ansammlung von Zahnbelag. „Die Bakterien, aus denen dieser Zahnstein besteht, können zu Entzündungen führen. Das Zahnfleisch wird rot und blutig und kann sich sogar zurückbilden. Das Ganze ist nicht nur schmerzhaft für die Katzen, die Bakterien können im schlimmsten Fall sogar durch Schlucken über die Organe gehen“, erklärt Tina Wolf.

FORL ist die häufigste Zahnerkrankung bei Katzen, sagt Melanie Schwarze. Fast jeder dritte Stubentiger ist davon betroffen, bei höherem Alter sogar jeder zweite. Dabei lösen sich die Zahnwurzeln langsam auf und der Nerv bleibt frei liegen. „Manchmal verwachsen die Wurzeln ineinander oder im Kiefer. Das ist wirklich hochgradig schmerzhaft für die Katzen“, so Tina Wolf.
Dazu kommt, dass es sich dabei um eine Erkrankung handelt, die nicht sofort sichtbar ist: Selbst wenn beim Tierarzt-Check alles gut aussieht, bedeutet das nicht, dass die Mieze kein FORL hat – das ist nur über Röntgenbilder zu erkennen. Wird FORL diagnostiziert, müssen die Zähne gezogen werden.
Wie kannst Du erkennen, ob Deine Katze Zahnschmerzen hat?
Auf einige Dinge kannst Du achten, um feststzustellen, ob irgendetwas mit den Zähnen Deines Vierbeiners nicht stimmt. „Wenn Deine Katze unangenehm aus dem Mäulchen riecht, dann ist das meistens ein Anzeichen, dass was mit den Zähnen nicht stimmt“, erklärt Annika Holzkamp. Außerdem kann sich das Fressverhalten des pelzigen Begleiters ändern – wenn Deine Katze weniger isst, als normalerweise, könnte dies ein Symptom sein.
„Es gibt auch Dinge, bei denen erkennt man die Veränderungen nicht sofort, sondern erst mit der Zeit“, fügt die Verhaltenstherapeutin an. Deine Katze könnte zum Beispiel träger sein und weniger aktiv als normalerweise. Die Vierbeiner werden bei Schmerzen manchmal auch aggressiver als normalerweise oder nutzen ihre Katzentoilette nicht mehr und markieren stattdessen irgendwo in der Wohnung.
„Das hat oftmals mit einem schlechten Erlebnis auf dem Katzenklo zu tun. Wenn sie währenddessen plötzlich Zahnschmerzen bekommt, verbindet sie ihre Toilette dann mit Schmerzen und möchte da nicht mehr drauf gehen“, erklärt die Expertin.
Weitere Anzeichen für Zahnschmerzen können sein: Die Samtpfote verliert Gewicht, sie speichelt viel, schüttelt häufiger ihren Kopf, hat Ablagerungen auf den Zähnen oder wirkt abgeschlagen.
Wie kannst Du vorbeugend gegen Zahnschmerzen helfen?
Zumindest Ablagerungen auf Katzenzähnen und Verletzungen im Maul kannst Du vorbeugen. Trockenfutter kauen, beseitigt Beläge. Außerdem kann man Katzen an Zahnpflege gewöhnen. Das geht mit einem Fingerling oder spezieller Zahnbürste und Tierzahnpasta. Die Stubentiger sollten auch nicht auf harten Gegenständen herumkauen, damit sich nicht spitze Teile lösen und kein Zahn abbricht.
Unsere Ratgeber ersetzen nicht die veterinärmedizinische Beratung bei Deinem Tierarzt. Sie dienen lediglich der Information und sollen einen Überblick über Krankheiten, Verletzungen und deren Behandlung liefern. Wenn Dein Tier Symptome zeigt, die auf Verletzungen, Krankheiten oder Unwohlsein hinweisen, solltest Du unbedingt eine Tierarztpraxis oder eine Tierklinik aufsuchen.
Schaue Dir das Zahnfleisch und die Zähne Deiner Katze regelmäßig an, sowohl zu Hause als auch bei jährlichen Tierarztbesuchen. Tipp: Schaue Dir regelmäßig das Gebiss Deiner Mieze an. Fehlen Zähne oder sind beschädigt? Ist das Zahnfleisch gerötet, erkennst Du Zahnstein? In dem Fall solltest Du zum Tierarzt. Überhaupt sind jährliche Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll, um Probleme jeglicher Art rechtzeitig zu behandeln.

„Bei Entzündungen ist das Zahnfleisch oftmals dunkelrot, das kann man gut erkennen“, erklärt Annika Holzkamp. Oft kontrollieren Tierärzte die Zähne nicht genau oder gar nicht. Sag am besten direkt immer Bescheid, damit der Tierarzt die Zähne nicht vergisst. „Zwar kann man dabei FORL nicht unbedingt entdecken, einigen Krankheiten kann man mit dieser Methode jedoch vorbeugen“, so die Katzenexpertin.
Außerdem helfen vorbeugend regelmäßige Zahnreinigungen – genauso wie bei uns Menschen, sodass es gar nicht erst so weit kommt: „Diese finden immer unter Narkose statt, weil Katzen das ansonsten wohl nicht mitmachen würden“, merkt Annika Holzkamp an. Der Tierarzt belegt die Zähne im Rahmen der Behandlung mit einem Mittel, das die Entstehung von Zahnstein eindämmt.
Zahnschmerzen bei Katzen: Mehr dazu im Podcast
Du möchtest mehr zu Zahnproblemen bei Katzen erfahren und herausfinden, wie die Katzenexpertinnen mit den Zahnschmerzen ihrer eigenen Vierbeiner umgegangen sind? Dann hör’ unbedingt in diese Folge von „Pet-Talks: Katze“ rein:
Du kannst die Folge auch bei RTL+, sowie auf Apple Podcasts, Spotify und Deezer anhören.




